Aus Liebe zum Spiel – die 3. Herren

Es liegt auf der Hand, dass in Fußball- und Vereinskreisen allzu oft über die TOP Mannschaften gesprochen und geschrieben wird, also die 1. und 2. Herren. Aus meiner Sicht kommt die 3. Herren viel zu kurz, denn 3. Herren-Fußball ist fantastisch und großartig. Aber er ist auch ganz anders. Es lohnt sich also, die 3. Herren im allgemeinen heute zu beschreiben und zu würdigen.

Die 3. Herren ist keineswegs der Gnadenhof für Athrose-geplagte Ex-Kicker. Die 3. Herren ist das Auffangbecken für alle Fußballer, bei denen der Fußball nicht oder nicht mehr das Leben bestimmt, sondern bei denen der Fußball im Lebensmodell die zweite oder dritte Geige spielt. Oft sind die Kicker in Mannschaft 3 etwas betagter und haben den Karriereknick schon hinter sich. Sie fühlen sich aber noch zu fit für die Altherren und lieben den Mannschaftssport. Da kommt die 3. Herren gerade recht. Hier sind der Druck und der Konkurrenzkampf nicht mehr so groß. Hier kann man auch mal ein Training schwänzen oder ein Spiel ausfallen lassen, wenn man zusammen mit den Nachbarn am Vorabend noch die Königsscheibe des letzten Schützenfestes aufhängen muss. In der 3. Herren geht das, denn die Prioritäten sind anders gesetzt. Viele Kicker haben schon Familie oder andere Verpflichtungen, die sich mit Fußball ab der Bezirksliga nicht so einfach vereinbaren lassen. Wenn also Schwiegermuttergeburtstag über Samtgemeinde-Derby steht,  freut das natürlich die Ehefrau und ich bin schon geneigt zu sagen, die 3. Herren ist der Nährboden, auf dem goldene Hochzeiten gedeihen. Wäre da nicht die dritte Halbzeit, die in der 3. Herren oftmals sehr stark ausgeprägt ist. Selbstverständlich trifft man sich nach dem Spiel nochmal auf ein oder zwei Pils in der Vereinskneipe und diskutiert das Spiel oder den letzten Bundesligaspieltag. Das kann schon mal etwas länger dauern, so dass am Ende die Schwiegermutter vergeblich wartet. Aber das gehört eben dazu.

So schön die Flexibilität und die geringen Verpflichtungen auch sind – für den Trainer bedeutet das Stress. Viel zu oft stellt sich die Mannschaft am Wochenende von selber auf. Hauptsache, es stehen erst mal 11 Mann auf dem Platz und einer ist bereit, sich zwischen die Pfosten zu stellen. Bei sommerlichen Temperaturen wünscht er sich natürlich noch den ein oder anderen Ergänzungsspieler, denn die Laktatwerte vieler 3. Herren-Spieler lassen viele Wünsche offen. Der Trainer muss also weniger Taktikfuchs und Motivator sein, er muss Organisationstalent sein und braucht einen Handyvertrag mit Flatrate. Meistens weiß er erst eine Stunde vor dem Spiel, wer wirklich am Start ist oder er muss aus der Not am Vorabend noch ein paar vergessene Kicker akquirieren, weil deren Pass zufällig in der Mappe war. Während Trainer der 1. Herren vor dem Spiel die Taktiktafel präparieren, muss der 3. Herren-Trainer noch den Platz abkreiden und schauen, ob im Auto noch ein paar fehlende Stutzen liegen. Nicht selten stellt sich der Trainer am Ende auch noch selber auf – aus Mangel an Alternativen oder aus Selbstüberschätzung.

Es lohnt sich immer, mal ein 3. Herrenspiel anzuschauen. Die Spiele sind weniger von taktischen Zwängen geprägt, vielmehr regiert König Zufall. Stockfehler und fehlende Laufwege führen zu Torchancen und vielen Treffern. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Spiel auch mal 5:4 ausgeht. Klopp-Philosophie, könnte man sagen.

Schauen wir mal auf die Spielertypen. Der Großteil der Kicker trägt schon einen anständigen Wohlstandsbauch vor sich her und hat keineswegs vor, auf dem Platz einen Marathon zu laufen. Viele verfügen noch über einen goldenen Fuß aus alten Zeiten. In der Regel findet man den technisch versierten 10er, der den Mittelkreis selten verlässt, aber immer noch die 40-m-Overath-Gedächtnisbälle über das Feld schlägt. Wichtig dabei: Pässe nur noch in den Fuß, in den Lauf macht wenig Sinn. In der Abwehr stehen die Recken, die schon früher Füße aus Eisen hatten. Auch wenn sie nicht mehr die spritzigsten sind, so schnell lassen sie keinen Stürmer vorbei. Harte Zweikämpfe sind also an der Tagesordnung. Im Sturm  steht dann oft der bullige Strafraumstürmer und der kleine Flitzer, der als einer der wenigen keine 15 Kilo in den letzten 10 Jahren drauf gepackt hat.

Nach außen hin ist das natürlich ein wenig unsexy. Wenn der neue Nachbar mit Gardemaß eines Modellathleten vom letzten Marathon erzählt, lässt das die Frauenherzen natürlich höher schlagen als die Aussage, dass es am Sonntag sicher ein schweres Spiel gegen die 3. aus dem Nachbardorf geben wird. Auch die Model-Figur ist längst dahin, aber 3. Herren-Fußball spielt man nicht, um fit zu bleiben. Dann kann man ja gleich ins Fitnessstudio gehen. 3. Herren ist mehr als das. 3. Herren ist Lebensgefühl. Es ist Teamgeist, Kameradschaft und Spaß. Es ist aber vor allem die Liebe am Fußball. Das gute Gefühl, auf dem Rasen zu stehen und gegen den Ball zu treten. In diesem Sinne. Hoch lebe die 3. Herren!

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Spiel 1 seit Neubeginn

Endlich geht es wieder los: die Winterpause ist vorbei und unsere 2. Herren von Blau-Weiß greift wieder aktiv ins Spielgeschehen ein. Doch diese Winterpause hat alles abverlangt und stellt bis heute ein Novum da! Warum? Zu allererst hatten wir keine Winterpause (tropische Temperaturen und Sand-statt Schneestürme) und so blieb den Spielern nichts anderes übrig, als sich über +6°C beim Training zu beschweren (weil man sonst nichts zum meckern hat). Der spaßige Teil in der Soccerhalle, also nur ein bisschen kicken und nur so viel laufen wie man selbst für angemessen hält (Standfußball) wurde gestrichen, wie Boateng, Hummels und Müller aus der Nationalmannschaft. Aber das alleine ließ die Wintervorbereitung nicht einzigartig werden, Nein, auch die Auflösung unserer 1. Herren spielte mit rein (unsere Reporter, Journalisten und Maulwürfe berichteten). Somit konnte sich die 2. über Stefan Bojer (leider noch verletzt), Kevin Langlitz und Finn Meyering freuen, welche sich gleich in das Team integrierten. Fußballerisch auf jeden Fall eine Verstärkung, abseits des Platzes ist noch ein wenig Arbeit nötig. “Merkst du das Bier von gestern Abend auch noch? Nein? Ich merk das bei jedem Sprint.” Anscheinend ist es ein 1.Herrenspieler nicht gewohnt, vorm Spiel ein paar Bier zu trinken…..Aber kommen wir jetzt zum wichtigen Teil: Fußball! Das erste Spiel nach dem “Winter” ist gleich ein Kracher. Blau-Weiß Dörpen gegen den SV Neubörger in unserem Wohnzimmer, in unserem geliebten Sportpark. Zum einen ist es das Top-Spiel der 1. KK Nord, den der 3. ist zu Gast beim Tabellenführer aus Dörpen, zum anderen spielen in Neubörger viele Jungs, die entweder in der Jugend oder im Herrenbereich schon für unsere Farben die Schuhe schnürten, daher wird dies auch ein persönliches Duell. Auf Statistiken(vorherige Spiele, Testspiele etc.) wird verzichtet, denn diese sagen in diesem Duell gar nichts aus. Am Freitag, den 08.03.2019 geht es ab 19:30 Uhr nur um die Tagesform und wie effektiv die Vorbereitung genutzt wurde. Alles andere ist nicht wichtig.

Dennoch sollten alle Fans unserer ehemals 1. Herren, unserer 2. Herren, unserer 3. Herren und alle anderen Anhänger der Blau-Weißen sich in den Sportpark begeben und die Jungs anfeuern. Denn jeder will nächste Saison unsere dann neu formierte 1. Herren in der Kreisliga spielen sehen.

P.S. einen Wintercheck von FuPa haben wir natürlich auch noch für euch..

https://www.fupa.net/berichte/sv-blau-weiss-doerpen-1920-wintercheck-blau-weiss-doerpen-ii-2296584.html

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Das Gute im Schlechten

In den letzten Wochen gab es für die Fußballseele in Dörpen nichts zu lachen. Grimmige, teilweise tieftraurige Gesichter lassen sich im Sportpark finden. Man munkelt, dass man nachts auf der Hauptribüne während des Vollmonds einen einsamen Wolf leise “Bezirksliga” heulen hört. Die Bratwürste vom letzten Spiel der ersten liegen noch immer vereinsamt auf dem Grill. Nicht mal der durch den Trimm-Dich-Pfad streunende Hund schenkt ihnen noch Beachtung.

Um der Misere etwas Postives abzugewinnen, ist es vielleicht nötig es aus globaler Perspektive zu betrachten.  Für die Klimabilanz Dörpens ist dieser Abschied auf jeden Fall positiv.

Es entfallen nämlich zu allererst die Co2 Emmisionen der trainierenden Spieler. Bisher war es doch so, dass die Spieler der ersten Herren in der Regel mit dem Auto zu Training und Spiel anreisten. Neueste Forschungen des emsländischen Klima-, Sanitär,- und Schwimmbadtechnikinstituts in Haselünne haben sich mit diesem Thema ausgiebig beschäftigt. Der amtierende Institusleiter Röhrich ließ hier zu folgendes verlauten: “Die Co2 Emmisionen eines hochklassigen Fußballbetriebs werden alleine durch die Spieler in derart astronominomische Spitzen getrieben, da sehen Schweinemast und Stinkediesel gegen alt aus. Ich habe schon bei dem Umweltministerium angerufen und verlangt, dass Vereine ab der Kreisliga sich am Emmisonshandel beteiligen müssen. Eine Antwort steht noch aus.”

Aber nicht nur das Co2 zerstört die Umweltbilanz eines Vereins und seiner Gemeinde. Bei Heimspielen verwandelt sich die Tribüne regelmäßg in ein Schlachtfeld. Hier sieht es dann nicht nur aus wie bei Hempels unterm Sofa, meist steht dort Hempels Sofa. Neben den Dosen mit Ölfarbe von der letzten Renovierung.  Glücklich können sich Vereine schätzen, deren Sportstätten sich in der Nähe des Naturschutzgebiets Moor befinden. Hier hat die Natur eine kostengünstige Entsorgungsanlage bereit gestellt. Was den alten Germanen reichte, genügt den Vereinen erst recht. Alle anderen müssen sich mit Autobahnrastplätzen oder Mülldeponien zu Frieden geben. Auf letzteren tragen die ungesündesten Areale mittlerweile Bezeichnungen wie “Cherusker”, “Raspo” oder “Blau-Weiß”.

Diese negativen Aspekte bleiben Dörpen jetzt erspart. Ein Engagement, dass einem nicht nur die Eisbären danken werden. Eisbären sind hier tatsächlich die Tiere. Nicht eine bekannte Eishockeymannschaft aus einem vollkommen von Brandenburg umgebenen Provinznest.

Aber ist das schon alles, was man in Dörpen gegen den Klimawandel machen kann? Schließlich soll zukünftig eine große Überholung des Sportparks stattfinden? Wäre es da nicht wünschenswert, wenn man angesichts des klimafeindlichen Verhaltens der Vergangenheit den Sportpark zu einer grünen Lunge umbauen würde? Aber was sollte man dafür tun?

Man könnte zum Beispiel die Laufbahn auf dem Hauptplatz zu einer Grünfläche umbauen. Die Leichtathleten könnten dann barfüßig antreten. Ein Wettkampf würde dann nicht mehr nur über die gemessene Zeit entschieden, sondern auch über die Anzahl der zertretenen Kleinstlebewesen. Vorsicht: Schon der große Emil Zatopek verlor dereinst in Helsinki einen Marathon, weil er auf der Zielgerade auf einen schwedischen Schlüpfrigschnecke ausrutschte. Kurzum: Eine größere Herausforderung für die Leichtathleten.

Man könnte auch die Plätze des Sportparks mit Bäumen bepflanzen. Von dieser Wiederaufforstung der tiefliegenden Dörper Emsmarsch ist jedoch abzuraten. Denn einerseits legten die Jenaer Regeln schon 1896 fest, dass Spielfelder frei von Sträuchern und Bäumen sein müssten und andererseits bilden die Rasenplätze des Sportparks ein von Menschenhand erschaffenes Feuchtbiotop für einige vom Aussterben bedrohte Tiere. Der emsländische Moorrasenregenwurm ist hier als Exempel anzuführen.

Um mit dem großen Dragoslav Stepanović zu enden: “Lebbe geht weiter”.

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Am Ende ist es Kreisligafußball – und das ist auch gut so!

 

Nun geht er also doch los, der befürchtete Ausverkauf der abgemeldeten 1. Mannschaft. Die meisten Spieler haben doch sehr schnell einen neuen Verein gefunden. Wer soll es Ihnen übel nehmen? Wir nicht! Jeder muss für sich entscheiden, was ihn im Fußball antreibt. Und wenn ein Spieler mit Mitte 20 die Ambition hat, so hoch wie möglich zu spielen, ist das nicht verwerflich. Auch wenn einem als Fan die heimattreuen Hector-Jonas-Typen natürlich lieber sind.

Der Abgang der Spieler zeigt deutlich die Realität, in der der Verein nun angekommen ist. Viele Fans wollen immer noch nicht begreifen, was da eigentlich passiert ist und wie es dazu kommen konnte. Was sind die Hintergründe? Man kann nur mutmaßen. Vor allem bei mir ist es aus der Entfernung nicht möglich, genau zu analysieren. Ich will es auch nicht tun, aber ich will Thesen aufstellen und versuchen, zu erklären, was im Konstrukt eines ambitionierten Vereins die Motivationen und Antriebe sind – und welche es nicht sind. Ganz klar sei betont: Diese Thesen sehe ich als mögliche Hintergründe. Ob diese auch in Dörpen zur Auflösung geführt haben, weiß ich nicht und darüber soll auch nicht spekuliert werden.

Meistens kommt anfangs ein Einfluss von außen. Die sogenannten Freunde und Gönner, die alles für den Verein tun wollen und zumindest finanziell auch können. Wenn diese Gönner richtig gut betucht sind, nennt man sie auch gerne Mäzene. Diese Mäzene merken, dass sie Macht ausüben können und mit der ein oder anderen Finanzspritze einen Verein maßgeblich auf einen neuen Kurs bringen können.

These 1: Mäzene sind im Kreis- und Bezirksligafußball zu oft kurzfristige Erscheinungen mit wenig Nachhaltigkeit.

Sind wir doch mal ehrlich: Ich kenne sehr wenig Beispiele, wie ein sogenannter Mäzen oder Gönner einen Verein richtig nach oben gebracht hat. Richtig oben, das heißt heute sicher Liga 3. Darunter ist es fast egal, denn es zahlt sich nicht aus – weder finanziell noch emotional. Schaut euch nur den Zuschauerschnitt in der Landesliga an. Da ist nicht viel mehr los auf den Rängen als beim hiesigen Samtgemeinde-Derby. Ganz zu schweigen von Auswärtsspielen. Damals in den 90ern war der VFL Herzlake dank des Möbel-Moguls Klose mal ganz knapp davor, den Profifußball zu erreichen. Aber als IKEA salonfähig wurde und in Herzlaker Möbelwerk die Kohle knapp wurde, war Schluss und der Verein ist ganz unten wieder angefangen.

Sie schaffen also vielfach eine Blase, diese Mäzene. Entweder das irgendwann ausgehende Geld des Finanziers lässt die Lichter ausgehen oder seine Eitelkeiten. Die Geldgeber sind selten bei allen beliebt und müssen Häme und Neid über sich ergehen lassen. Das frustet auch schon mal und wenn alle rundherum nicht einsehen wollen, dass man als Mäzen nur das Beste will, dann sollen sie doch sehen, wo sie bleiben. Und schwups ist das Kartenhaus zusammen gefallen. Oft geht mit dem Zerwürfnis einher, dass der Mäzen sich durch sein Geld auch ein gewisses Mitspracherecht einkauft bzw. das erwartet. Das ist der Anfang vom Ende. Man ist ja nicht im russischen Gasgeschäft, sondern immer noch im Amateurfußball. Soll man den Mäzen jetzt vollends verfluchen? Auch das wäre falsch. Er investiert meist sein privates Geld, das er mit Verlaub auch für Goldketten und schnelle Autos ausgeben könnte. Er glaubt an eine Idee und hat eine Vision. Er ist in der Regel ein Geschäftsmann, der aber hier ausnahmsweise den Return-on-Invest völlig ignoriert. Er ist emotional motiviert und will wie Uwe Seeler im Volkspark irgendwann auch ein Körperteil in Bronze gegossen haben. Klappt halt eben fast nie. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Fleischmogul Tönnies vom Revierclub S04 hat es vorgemacht, braucht aber auch noch russische Unterstützung. Die Schuld alleine einem Geldgeber zuzuschreiben, wäre letztlich viel zu kurz gesprungen.

 

These 2: Vereinsführungen lassen sich schnell blenden!

Wenn der Mäzen viel Geld mitbringen muss, ist es beim Vorstand ein großes Stück Idealismus. Als Vorstand gibt es immer auf die Fresse – komme was wolle. Man muss den Laden zusammen halten und macht meistens auch alles dafür. Das kostet wahnsinnig viel Zeit und Nerven. Anders als beim Mäzen ist beim Vorstand der Erfolgshunger und die Sehnsucht nach Auswärtsspielen im Kreis Diepholz weniger ausgeprägt. Aber man lässt sich schnell verleiten und verführen. Da kommt einer von außen und sagt dem Kassenführer endlich, wie er die Löcher im Etat für das kommende Jahr stopfen kann. Das kommt an und als Vorstand ist man schnell dabei. Bewahrer und Verfechter des Underdog-Daseins sind in Vorstandsrunden nicht gefragt und so wird meistens kollektiv zugestimmt und leider auch ins Verderben gerannt. Keiner traut sich, die Notbremse zu ziehen, denn man will ja nicht der Buhmann sein. Aber man macht sich abhängig.

These 3: Amateurspielern fehlt das Heimatbewusstein

Am Ende sind es immer die Spieler, die die Blase zum Platzen bringen. Ich will nicht über finanzielle Anreize spekulieren, aber sind wir mal ehrlich: Die Zukunft mit Hängematte im Garten der Finca auf Mallorca wird sicher niemals herausspringen. Soll man daher pokern, seinen Verein, seine Seele und seine Liebe zum Spiel aufgeben. Oder ist es wirklich der Anreiz, die ein oder andere Liga höher zu spielen, auch wenn es immer noch weit weg vom Profifußball ist. Ich will das nicht verstehen.  Aber in höheren Ligen gibt es vielleicht ein bißchen was dazu zu verdienen, was ein Kreisligaverein nicht will und nicht kann. Und dann küsst man eben das Wappen eines Nordhorner Stadtvereins, wenn man dort knipst. Hat man sich ja bei den Profis schon lange abgeschaut. Das ist das Showbusiness, das auch den Amateurfußball erreicht hat.

Und was hat das alles mit Blau-Weiß zu tun?

Vielleicht gar nichts, weil es alles ganz anders war. Mag sein. Nur das Ergebnis ist das gleiche.

Was bleibt also: Es bleibt ein ordentlich ramponierter Gesamtzustand, zu vergleichen mit dem etwas ausgeblichenem Wappen von Blau-Weiß aus den frühen Neunzigern, das bei mir im Kämmerlein der Nachmittagssonne ausgesetzt ist. Nicht mehr so schick und ziemlich verstaubt, aber immer noch blau-weiß. Ich teile den hoffnungsvollen Kommentar meines Kollegen aus der 11Thekenfreunde Redaktion. Jetzt kann es wieder um Fußball gehen, um Kreisligafußball. Anscheinend bleiben doch noch ein paar Dörper Jungs im Verein und spielen ab sofort in der zweiten Herren, dem neuen Aushängeschild der Fußballabteilung. Ein starkes Zeichen, das Mut machen sollte. Ich bin sicher, die Zuschauer werden weiterhin kommen und Dörpen gegen Neubörger schauen. Aus meiner Sicht viel spannender als Dörpen gegen Union Lohne. Viele haben mir in den letzten Jahren gesagt, dass ich unbedingt mal wieder ein Spiel der 1. Herren anschauen sollte. Das wäre um ein Vielfaches schneller und hochklassischer als das, was ich damals in den 90ern auf den Rasen gebracht habe. Glaube ich sofort, aber ist Amateurfußball wirklich das richtige für Feinschmecker und Analysten? Sitzen Leute mit Tablet auf der Tribüne und machen Vergleiche zum Packing? Ich denke, es geht um was ganz anderes: Freut euch auf die Derbies, auf die hitzigen Duelle und Diskussionen am Spielfeldrand. Freut euch darauf, anschließend mit “alle Mann” bei Westhus an der Theke zu sitzen und gemeinsam mit Zuschauern die Spielanalyse zu führen. Und wenn dann der nächste Mäzen um die Ecke kommt und seine Vision erklärt, müssen alle vorsichtig sein. Sonst geht der ganze Film wieder von vorne los.

Am Ende geht es jetzt in Dörpen wieder um klassischen lokalen Amateurfußball. Wenn ihr mich fragt: Was Schöneres gibt es doch nicht: Und jetzt Mund abwischen und ab auf den Platz!

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BW Dörpen 1. Herren – Ein Ende mit Schrecken

Gestern Abend verbreitete sich die Pressemitteilung vom Portal FuPa wie ein Feuer “Dörpen meldet sich vom Spielbetrieb ab”. Innerhalb von nur zwölf Stunden generierte dieser Artikel über 10.000 Klicks, das Interesse scheint groß zu sein. Und so, wie nun jeder fußballinteressierte Dörper, den das ganze nicht kalt lässt möchten auch wir einmal unseren Senf dazu geben. Auch wenn diese Meinung vielleicht nicht Jedermann teilt. Viele mögen nun das Wochenende nutzen, um erst einmal gepflegt darüber zu diskutieren, welch falsche Entscheidung doch die Vereinsführung getroffen hat. Auch im jüngst veröffentlichten Artikel vom Portal FuPa waren Äußerungen vom ehemaligen Trainer zu lesen. Das Umfeld des Vereins Blau-Weiß Dörpen wurde als “Kreisklassen-Niveau” bezeichnet.

Wenn man genau liest, erkennt man jedoch schnell, dass nicht die Vereinsführung sondern das Umfeld als Kreisklassen-Niveau bezeichnet wurde. Dies wird sicherlich seine Gründe haben. Dennoch ist es wichtig hier genau hinzuschauen, denn es vermag nur wenigen die Möglichkeit gegeben, die tatsächlichen Hintergründe des Affentheaters der letzten Jahre wirklich zu kennen. Natürlich hat die Art und Weise wie nun der Spielbetrieb der 1. Herren beendet wurde einen gewissen Beigeschmack (durch die ständigen Trainerwechsel, gescheiterte Marketing-UG etc.), dennoch sollten wir uns nicht einbilden die tatsächlichen Hintergründe für diese Entwicklungen zu kennen und schon gar nicht sollten wir über die Vereinsführung urteilen, denn aus unserer Sicht wurde richtigerweise das Umfeld der 1. Herren kritisiert und eben nicht die Vereinsführung. Diese hat nun eine mutige Entscheidung getroffen, aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, oder nicht?

Dass nun Äußerungen fallen, von Leuten die eigentlich keine Ahnung haben, was dieser Verein alles bietet und wie stark dieser Verein organisiert ist, sieht man allein am Titel des Portals FuPa und sieht man auch an den Äußerungen des ehemaligen Trainers. “BW Dörpen meldet sich vom Spielbetrieb ab” erscheint uns sehr fremd. “BW Dörpen meldet die 1. Herrenmannschaft ab” wäre hier wohl eher angebracht gewesen. Die Identifikation der Vereinsmitglieder mit der 1. Herrenmannschaft war so gut wie nicht mehr vorhanden. Zu wenige dieser Spieler hatten einen Bezug zum Verein oder haben sich auch außerhalb des Platzes engagiert. “BW Dörpen meldet sich vom Spielbetrieb ab” – Nein, im Ernst. “BW Dörpen meldet sich wieder zurück” hätte eher der Wahrheit entsprochen als dieser Titel… Auch die Äußerung “Das Umfeld des Vereins ist Kreisklassenniveau” des ehemaligen Trainers ist uns zu unpräzise. “Das Umfeld der 1. Herrenmannschaft ist Kreisklassenniveau” – das hätte besser gepasst. Weiß der ehemalige Trainer überhaupt wie viele Abteilungen unser Sportverein hat? Weiß er überhaupt, dass das Umfeld unserer Leichtathletikabteilung regelmäßig Veranstaltungen auf die Beine stellt, zu denen hunderte Zuschauer erscheinen (und damit wesentlich mehr als beim Fußaball) ? Weiß er überhaupt, dass unsere Ringerabteilung auf Landes-, Bundes- und Europaebene kämpft und jüngst die Landesmeisterschaften in Dörpen stattfanden? Organisiert durch das Umfeld der Ringerabteilung. Weiß er überhaupt, dass aus dem Umfeld des Vereins Fahrradabteilung, Tanztabteilung, Herzsportabteilung und noch viel mehr entstanden sind, viele mit sportlichem Erfolg und mit vielen engagierten Mitgliedern und vielen Zuschauern. Alles mit ehrenamtlichen Engagement und als kostenloses Sportangebot für die Mitglieder von Blau-Weiß Dörpen. Man sollte also vielleicht doch ein wenig mehr differenzieren, wenn man über den Verein oder die Vereinsführung urteilt.

Nichts desto trotz war auch in der 1. Herrenmannschaft nicht alles schlecht. Spielern wie Rainer Sinnigen oder Christoph Andrees die nun jahrelang für den Verein die Knochen hingehalten haben, die erfolgreich waren und immer auch für ein kühles Bier und ein bisschen Fußballphilosophie nach den Spielen mit den Zuschauern zu haben waren sollte man danken für Ihre Zeit bei Blau-Weiß Dörpen. Ihnen wird man mit diesem abrupten Ende nicht gerecht, sie hätten das sinkende Schiff schon viel früher verlassen können, taten sie aber nicht. Das sollte man nicht vergessen!

Warten wir nun ab was die Zeit bringt. Der Verein steuert 2020 auf sein hundert jähriges Jubiläum zu, der Sportpark soll erneuert werden. Für uns sind das alles positive Nachrichten und wir freuen uns auf das was da noch kommt!

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Figurbetonte Pause

Jetzt hat es auch uns wieder erreicht: Der Wintereinbruch! Nach dem Jahrhundert-Sommer für Kicker und sogar die Rekordhitze an Kirmes, wird es nun auch für uns Kreisklassen-Kicker ungemütlicher, wenn es das nicht auch schon vorher war. Aber warum sind eigentlich die Alteingesessenen froh und die Jung-spunde eher gar nicht so von der Winterpause angetan? Das hat folgenden Grund: Bewegung. Unsere Ende-20er bis Mitt-40er sind einfach nur noch für 20 Spieler in einer Serie gemacht und auch dies funktioniert nicht ohne jegliche Pferde-oder Wärmesalbe und einen kleinen Schluck von Franz seinem Brandwein. Deshalb kommt die Winterpause auch stets wie gerufen, denn seien wir mal ehrlich, alles unter +15 Grad ist dann nur noch ne reine Winterschlacht. Aber nicht nur das ist für den mastviehähnlichen Kicker ein Genuss, denn Winterpause bedeutet zugleich Weihnachtsmärkte- und -feiern. Also jedes Wochenende einen Weihnachtsmarkt besuchen, sich den Wampst mit Wegbier, Glühwein und Pommes volljagen, um anschließend alles mit nem gut platzierten Spezi zu versiegeln. Und lästige Bewegungen durch unnötiges trainieren fallen zwischendurch auch noch weg. Jackpot. Auch auf der Weihnachtsfeier ist unser Sportveteran vertreten, schüttet am meisten in sich rein und reißt sich ‘n halbes Spanferkel vom Buffet, ehe er zurück ans Brett muss und man vör de Gewalt wat suppen mot, denn “wir haben hier nen Festpreis bezahlt und denn muss ich auch ausnutzen”. So kommt es dann am Ende der Winterpause wie es kommen muss und unserem filigranen Kawämsmann sind die Trikots schon wieder in der Wäsche eingelaufen. Aber wie sagt sich der alternde Sportprofi stehts: Die Wintervorbereitung ist ja auch zur Erholung da!

Warum der Jungspund nicht so begeistert von der Winterpause ist? Mangelnde Lebenserfahrung, sowie fehlende Erfahrung im Umgang mit Kampftrinken und Rettungsringe züchten. Aber in das Alter wird er auch noch kommen.

P.s. Es wäre übrigens jetzt an der Zeit die Sporttasche auszuräumen, bevor man von dieser im neuen Jahr dann wieder Brechdurchfall bekommt.

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Blau-Weiße Trainerlegenden, Teil II: Jannes Panjer

Kürzlich haben wir unsere Serie über Trainer bei Blau-Weiß  begonnen. Schon dort wurde ein Jugendtrainer genannt, der damals sehr erfolgreich war: Jannes Panjer. Es war zu Zeiten der D- und C-Jugend in den späten 80er Jahren. Alle 2 Jahre, immer dann, wenn wir mit dem älteren Jahrgang spielten, war Jannes unser Trainer.

Sein Auftreten damals wie heute ist meistens leise, ruhig und besonnen. In seinem kleinen grünen Opel kam er zum Training gefahren, hat fürchterlich alte und schäbige Bälle aus seinem Kofferraum geholt und uns dann ganz viel über Fußball beigebracht. Beherrschten bis dahin noch Trainingsinhalte wie „Passen und stoppen“ oder „vom 16er aufs Tor“ den Trainingsalltag, wurde unter Jannes schon sehr professionell trainiert. Der Ball war immer dabei, aber es wurde viel gezielter trainiert. Geradeaus schießen konnten in dem Alter schon alle, aber beim Kopfball oder einer gezielten Grätsche kamen die meisten von uns an ihre Grenzen. Jannes hat uns das alles beigebracht. Aber noch viel mehr: Wir bekamen taktische Einweisungen und haben Spielzüge und Standardsituationen trainiert. Tatsächlich ist mir das damals gar nicht aufgefallen, es hat einfach nur Spaß gemacht. Die Effekte dieser Trainings waren aber offensichtlich. Wir sind zwei Mal in 2 Jahren aufgestiegen und haben unsere Gegner teilweise in Grund und Boden gespielt.

Als klassischer Linksfuß habe ich gelernt, meine Position richtig auszufüllen, nach hinten zu arbeiten und vorne die Stürmer zu bedienen. Jannes hat wirklich eine bärenstarke Mannschaft geformt. Um nur ein paar Spieler zu nennen: Vorne im Sturm knipste Hans Kuper praktisch nach Belieben. Er konnte seine körperlichen Vorteile gut ausspielen und hatte damals wie auch später im Herrenbereich einen enormen Torriecher. Links neben ihm lief Markus Triphaus alles in Grund und Boden. Sein dynamischer Antritt landete entweder als Abschluss direkt im Tor oder als Pass bei Hans, der dann vollendete. Hinter Markus spielte Michael Wiemker, ein kleiner schmächtiger Filigrantechniker mit einem sehr feinen linken Fuß. Michael wurde dank seiner Dribbelkünste von Jannes immer Garrincha genannt. Erst später habe ich gelesen, dass Garrincha dank eines X- und O-Beins die Gegner schwindelig gespielt hat. Diese anatomische Besonderheit hat Michael allerdings nicht erkennen lassen.

Rechts spielte vorne der pfeilschnelle Jürgen Liesen, der im Mittelfeld vom zweikampfstarken Andi Thieke unterstützt wurde.

Im Tor stand meistens Frank Otten, ein baumlanger Hüne, der praktisch alles aus dem Winkel fischen konnte. Dank einer enormen Schusskraft wurde er aber auch gerne auf dem Feld eingesetzt und Klaus Wilholt ging dann in den Kasten. Man sieht, die Rotation war schon Ende der 80er Jahre gängige Praxis.

In der Defensive verzweifelten die Gegner oft an den eisenharten Defensivkräften wie Thomas Potts, Marc Dickebohm oder Jürgen Wilholt. Alles andere als Bolzer und Treter, sondern technisch gut ausgestattet und mit einer Bierruhe am Ball.

Ich denke, genau das war das Geheimnis: Ruhe! Jannes war der unaufgeregteste Trainer, den ich je kennen gelernt habe. Ein kurzes „Kom op, Jongens!“ reichte und alle standen mucksmäuschenstill da und lauschten dem Fußballlehrer aus Holland. Standen damals doch wie heute eher Trainer der Brüllfraktion an der Außenlinie, die keinen Schuss unkommentiert lassen konnten. Meistens kam bei denen aber nur ein „Lauf, lauf, lauf“ oder „ran ran ran!“ Noch schlimmer schon damals ein Trend in Papenburg, wo vermehrt Mütter den Spielfeldrand mit Tupperboxen und Zitronentee belagerten und regelrecht panisch reagierten, wenn der Sprößling mal mit der Nase im Gras lag. All das gab es bei Jannes nicht. Kurze, präzise Ansagen, auch in der Kabine. Ihm war immer nur eins wichtig: Spielen. Wir sollten Fußball spielen, so wie wir es im Training gelernt hatten. Es hat funktioniert.

Er selber hat es sich im Training meistens auch nicht nehmen lassen, mitzukicken. Man kann Jannes mit Fug und Recht einen fülligen Mann nennen, aber auf dem Platz vernatzte er uns nach Strich und Faden: kurze Körpertäuschungen, Fuß auf dem Ball und die gefürchteten „No-look“-Pässe in die Tiefe haben uns immer wieder staunen lassen.

Ja, wir haben Jannes alle gemocht und sogar verehrt. Er ist einfach ein feiner Mensch, der ein Gespür dafür hatte, wie man mit uns Jungs umgehen musste. Solche Trainer braucht ein Verein: Nicht nur für eine gute Nachwuchsausbildung, sondern vielmehr für Werte im Fußball wie Teamgeist und Zusammenhalt. „Al het Beste en dank je wel, Jannes!”

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Mein Gott Walter!

Wir haben Stürmer, Verteidiger, Betreuer und Vereinslegenden geehrt. Aber eine wichtige Fußballerspezies blieb bisher unberührt: Der Trainer! Ein weiser alter Italiener hat einmal gesagt: „ Eine Trainer isse eine Ideote!“ Recht hat er, vor allem in den unteren Ligen der Republik. Man muss schon sehr fußballverrückt sein, um diesen Job zu übernehmen. Meist sind es ehemalige Spieler, die sonntags nicht ohne Ball auskommen. Oder die mit den kaputten Knien, die selber nicht mehr vor den Ball treten können. Vielfach also gute Fußballer, aber nicht immer gute Trainer. Doch es geht auch anders.

Ich hatte während meiner aktiven Zeit in der Herrenmannschaft mehr als fünf Trainer, aber einer ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Walter R. Der Begriff „fußballverrückt“ muss neu definiert werden, wenn man Walter das erste Mal in Action gesehen hat. Fußball-Wahnsinnig trifft es eher, aber das ist absolut positiv gemeint. Walter war schon rein optisch ein Hingucker und seiner Zeit voraus. Eine Mischung aus Wolfgang Thierse und einem kanadischen Holzfäller. Heute würde man ihn dank seines Gesichtspullovers einen Hipster nennen und in Berlin Mitte wäre er voll integriert. Allerdings sah man Walter am Spielfeldrand weder mit Chino-Hose noch im feinen Anzug. Schwarze Joggerhose und grauer Sweater – das war sein Standard-Outfit, und zwar immer. Ein Trend, aus dem später Gabor Kiraly hervorgeben sollte.

Dazu eine Stimme, die ihn auch zum Frontmann von Foreigner machen könnte: schrill, laut und etwas überhitzt. Das zusammen macht schon mal eine Persönlichkeit, die auffällt und anders ist. Aber der Reihe nach:

Walter stammt aus Neulangen und spielte aktiv in einer Zeit, als dieser kleine Ort im nordemsländischen Fußball mit den Ton angab. Später setzte er sich in Dörpen nieder. Die Knochen, vor allem der Rücken, waren für aktiven Sport nicht mehr zu retten, aber Walter beherrschte neben fußballerischer Erfahrung und Taktikverständnis vor allem eines: Er konnte mit Menschen umgehen und sie motivieren. Er vertrat eine Philosophie, die man heute vielleicht nur noch bei Jürgen Klopp sehen und erleben kann. Wir haben viel gelernt, gut gespielt und dabei sehr viel Spaß gehabt. Mussten wir bei Walters Vorgänger in Anlehnung an Felix Magath noch durch den Bühlsand der Hilter Berge sprinten, legte Walter mehr Wert darauf, dass nach dem Spiel auch alle bei Westhus Hermann an der Theke sitzen und ein Bier trinken. Fit waren wir trotzdem.

Er verstand es, eine echte Truppe zusammen zu stellen, gab den alten Führungsspielern wie Uwe W., Darek P. und Bogdan T. viel Freiheit und Vertrauen, motivierte aber zeitgleich die jungen Spieler und machte sie stärker.

Was Walter als Mensch charakterisiert, zeigt meiner Meinung nach sehr gut, dass er im Vergleich zu Vorgängern auf Gehalt verzichtete und immer wieder aus eigener Tasche gezahlt hat. Ganz zu schweigen davon, dass wir wie selbstverständlich jedes Jahr zu ihm nach Hause zum Essen eingeladen wurden.

So nett er aber auch war – in der Kabine konnte es aber auch sehr unangenehm werden. Lagen wir zur Halbzeit zurück und spielten schlecht, gab es ein Donnerwetter, dass die Heide wackelte. Da wurde niemand verschont. Es ging aber immer um die Sache – um den Fußball. Politik und Diplomatie waren nie Walters Ding. „Prominente“ Dörper Zuschauer wurden schon mal barsch in die Schranken verwiesen, wenn Walter die negativen Kommentare nicht passten. Auch der Schiri oder der gegnerische Trainer mussten hier und da dran glauben und wurden in hitzige Diskussionen verwickelt. Da hat sich Walter im Nachhinein immer geärgert, aber in den jeweiligen Diskussionen gingen die Pferde mit ihm durch. Er war einfach ein sehr emotionaler Trainer – mit viel Verstand, aber noch mehr Herz und Leidenschaft.

Am Ende eines Spiels war Walter mindestens genauso kaputt wie wir Spieler. Seine Frau erzählte mir mal, dass Walter in den Nächten vor den Sonntagsspielen kaum schlafen konnte und am Sonntag Morgen wie ein nervöser Tiger durch das Haus lief. Nicht auszuhalten war das, erzählte sie. Walter war einfach immer voll dabei, mit mehr als 100%.

Unvergessen, wie wir vielfach nach dem Training stundenlang in der Kabine saßen und diskutiert haben. Dabei verwies Walter immer wieder auf höheren Fußball: „Habt ihr das gesehen, am Wochenende – wie der FC Bayern gegen Gladbach in der Situation….!“ Tolle Beispiele von schönem Fußball, die teilweise auch im Kreisligafußball umgesetzt wurden.

Ich selber habe einfach sehr gerne unter Walter gespielt. Ich habe viel gelernt und viel Spaß am Fußball gehabt. Nachdem ich mich nach einigen Jahren mehr und mehr aus der 1. Herren zurückgezogen hatte, war ich doch stets ein willkommener Gast auf dem Trainingsplatz und das ein oder andere Mal hat er mich noch als 14. Mann mitgenommen.

Prägender war für mich eigentlich nur ein Trainer meiner Jugend, das war Jannes P. Aber diese Trainerpersönlichkeit wollen wir an anderer Stelle würdigen. Für heute bleiben wir bei Walter, einem Trainer mit Ecken und Kanten, der in Dörpen sehr erfolgreich war – einem echten Dörper Fußballgott!

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WM-Special: Das Ende und ein Neuanfang?

Jetzt ist es passiert: Der Weltmeister ist raus! Ganz Fußball-Deutschland hat nach dem blamablen WM-Start und den Last-Minute-Sieg gegen Schweden schon das Ticket für’s Achtelfinale gebucht. Aber Pustekuchen. Bums aus, Mickey Maus.

Und jetzt geht im Erfolgsverwöhnten Fußball wieder die Ursachenfindung los oder genauer: es wird ein Schuldiger gesucht. Denn eine deutsche Mannschaft ist noch nie bei einer Weltmeisterschaft in der Vorrunde rausgeflogen. Dann kann es also nur an unseren Bundes-Jogi liegen. Aber ist das so?

Natürlich hätten wir 80 Millionen Hobby-Bundestrainer eine ganz andere Aufstellung gewählt. Auch ich muss sagen, dass Müller, Khedira, Gündogan und vor allem Özil mich nicht überzeugt haben und nicht hätten Spielen dürfen. Aber irgendwas müssen diese Jungs ja im Training gezeigt haben, dass Jogi vollstes Vertrauen hat. Aber der Schrei nach Sané und Wagner finde ich völlig überzogen. Leroy Sané ist in diesem Jahr 22 Jahre alt geworden und war zwar der beste Premier-League-Spieler der vergangenen Saison, dennoch konnte er bisher nicht an seine Leistungen in der Nationalmannschaft anknüpfen und ist damit, in meinen Augen und auch wenn er mal den Unterschied hätte machen können, zu Recht nicht bei der WM dabei gewesen. Und der Aufschrei nach Wagner geht sowieso nur größtenteils von den Bayernfans aus. “Bester deutscher Stürmer”, aber wo denn? Anfangs in Bayern, in Bremen und bei Hertha hat niemand nach Wagner geschrien, er wurde sogar als zu schlecht belächelt. Auch in Darmstadt, nach einer überragenden Saison, war er kein Thema in der N11 und auch der wechsel nach Hoffenheim hat ihn nicht besser und beliebter gemacht. Aber der Schritt nach Bayern war dann der Auslöser, dass er “unbedingt mit muss”! Ein schlechter Fußballer ist Wagner nicht, aber auch er hätte den Unterschied vermutlich nicht ausgemacht.

Der Mannschaft fehlte einfach ein Leader, der heiß ist und der bis an die Schmerzgrenze geht. So wie unser Schweini sich im Finale von Rio zerrissen hat! Der einzige, der wirklich Kampf und Spielfreude, sowie Einsatz und Bock auf die WM gezeigt hat, war Julian Brandt. Dieses Feuer hätte ich mir von allen Akteuren auf dem feld gewünscht. Daher ist aber jetzt die Möglichkeit einen Umbruch zu starten und den Kader auszumisten. Denn mit 7 Weltmeistern in der Startelf hat sich in den letzten 4 Jahren nicht grundsätzlich, sondern nur punktuell was geändert und dies war im Nachhinein zu wenig.

Damit das erfolgsverwöhnte Deutschland merkt, dass wir nicht jedes Turnier unter den besten 3 landen können und das wir nicht die alleinige Spitze im Fußball sind! Und positiv bleibt ja auch, dass man die Zeit nun wieder mit der Vorbereitung auf die neue Saison nutzen kann – was ja doch nicht passieren wird!

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WM Special: “Nätig” sein!

Hoppla – was war da den los? Es war schon ein kleiner Schock, der am letzten Sonntag durch Deutschland ging. 1:0 gegen Mexiko verloren. Und das zurecht! So hatten wir uns den Start in die WM aber nicht vorgestellt.

Vieles ist schon gesagt und analysiert worden. Ob es nun wirklich an der Kaderplanung lag, sei dahingestellt. Leroy Sane hätte wahrscheinlich das Ruder auch nicht herumgerissen. Es fehlte einfach insgesamt die Ordnung und die Struktur. Die rechte Seite mit Kimmich war sehr offensiv und dadurch hinten offen. Die linke Seite hingegen mit Plattenhardt hat nach vorne keine Impulse gebracht. Bleibt noch die Schaltzentrale auf der 6er Position. Hier haben wir ja mit Toni Kroos einen Weltklassespieler. Diese wurde aber durch eine klassische Kreisklassentaktik aus dem Spiel genommen. Man kann schon fast von Manndeckung sprechen, die die Mexikaner angewendet haben.

Sogleich musste ich an alte Jugendtage denken. Natürlich waren die Mannschaften in der damaligen Kreisliga nicht so ausgeglichen, aber jede Mannschaft hatte einen TOP-Spieler – einen Toni Kroos, der ein Spiel alleine entscheiden konnte. Daher galt auch damals der Grundsatz: Den besten Mann des Gegners kalt stellen. Also wurde der beinhärteste Mitspieler vom Trainer taktisch eingewiesen: „Der 10er von denen, das ist dein Mann. Den lässt du nie alleine. Und wenn der pinkeln geht, dann…!“ Na ja, ihr wisst schon. Hat aber meistens geklappt, wie auch bei den Mexikanern.

Eigentlich interessant: Die bestehenden Weltmeister mit Kreisliga-Taktik aushebeln. Nehmen wir den Gedanken mal auf und denken weiter. In so einer Situation wie jetzt kurz vor den Schweden-Spiel. Was hätte unser damaliger Trainer zu uns gesagt. Die Antwort ist mir sofort eingefallen. „Nätig sein!“ Dieser Satz stammt von Josef G., genannt Joop. Joop ist jüngerer Bruder eines bekannten Dörper Mäzens und war noch im hohen Alter aktiv – manchmal in der ersten Herren, aber meistens in der zweiten, denn da konnte er als Spielertrainer fungieren. Joop war ein sehr lauffreudiger, dynamischer, agiler Spielertyp, der keinem Zweikampf aus dem Wege ging. Auch, wenn er eher klein und schmächtig war. Er war griffig, gallig, aggressiv und immer voll im Spiel – nätig eben. Und das verlangte er stets von seiner Mannschaft: Nätig sein!

Ein gutes Erfolgsrezept, finde ich. Denn am letzten Sonntag war die deutsche Mannschaft alles andere als nätig. Sie waren lahm. Gerd Rubenbauer hätte es pomadig und lethargisch genannt. Das muss das Nationalteam abstellen. Ich weiß nicht, ob es das Wort „nätig“ auch im Freiburger Land gibt, in dem Jogi Löw zuhause ist? Aber vielleicht wäre es an der Zeit, dass Jogi „nätig“ in seinen Wortschatz aufnimmt. Dann klappt es sicher auch am Samstag gegen die Schweden.

 

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