Fußball – nur ein Spiel?

Wer kennt das nicht? In München geht die Welt unter, weil man wider Erwarten nicht das Tripple gewinnen konnte. Auf Schalke gibt ein Wurst- und Aufschnittfabrikant per SMS Empfehlungen an den Sportdirektor zu disziplinarischen Maßnahmen für die örtliche Söldner- und Verbrechertruppe …. und sie werden umgesetzt. In Dortmund wird das sogenannte “Kloppojahr” ausgerufen. Alle im Jahr 1 n.J.K. (Jahr 1 nach Vertragsende Jürgen Klopps) in Dortmund geborenen Kinder beiderlei Geschlechts müssen den ersten Vornamen Kloppo tragen. Oder sie bekommen noch im Kreissaal ein S04-Logo in den Nacken eingebrannt. Das Standesamt Dortmund bietet für werdende Eltern und Krankenhäuser die entsprechenden Formulare auf der hauseigenen Homepage an. In der Stadt der Elbphilharmonie möchte man im Tierpark Hagebeck das nächste geborene Rotarschpavianmännchen “Retter Bruno” nennen, aber nur weil der Nachname des Vorbilds für den Durchschnittspfleger nicht aussprechbar ist.

Bei einem Jugendspiel wird ein aufstrebendes Fußballtalent beim Blümchenzählen wüst von einem semiprofessionellen Ringer/Fußballer aus Transnistrien umgehauen. Der Schiri lässt aus Angst vor seinem Sohn weiterspielen. Wer kann da nicht verstehen, dass auf einmal ein Zuschauer das dringende Bedürfnis verspürt seine soeben angezündete Zigarette sofort mit der zur Faust geballten Hand im Gesicht des foulenden Grobians zu zerdrücken. Oder sich wenigstens dessen Adresse aus der Passmappe zu suchen und den preisgekrönten Rosenstrauch im Vorgarten mit Benzin zu düngen.

Es tingeln Woche für Woche Kleintransporter über das Land, die die vielversprechenden Talente aus Ober- und Unterpusemuckel zu den Topklubs bringen. Deren Väter erhalten dort wichtige und gut bezahlte Posten, wie den des Platzwartassistentgehilfen, damit sie den ganzen Tag Sohnemann zur Höchstleistung treiben können.

Vorbei scheinen die Zeiten als Sätze fielen wie: “Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten”, “Geht raus und spielt Fußball”, “Das nächste Spiel ist immer das nächste”.

Aber dann erreichte uns folgende Meldung: Der SV Flechum besteht aufs Schützenfest! –> Klick

Wir sagen danke! Endlich wird all diesen “Fußball ist unser Leben Yuppies” der Wind aus den Segeln genommen. Jedem von uns sollte klar sein, dass Fußball nur ein Spiel ist und dass das Leben mehr zu bieten hat als Fußball.

In diesem Sinne … wir sehen uns auf dem Schützenfest Dörpen!

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Wir trauern um Hermann Bohse!

Der emsländische Fußball hat einen ganz “Großen” verloren. Bohse Harm, wie wir Nordemsländer zu sagen pflegten, war das was man gemein hin als Legende oder Original beschreibt. Mit einigem Abstand, möchten wir uns respektvoll an einem Nachruf versuchen.

Seine Erscheinungsweise war zunächst nicht sonderlich Angst einflößend. Wenn er dann noch bei der Begrüßung mit leicht erhöhter Stimme um die Platzwahl bat, konnte man den Eindruck gewinnen, “Harm” sei ein “weicher” Schiri. Ein Eindruck der schon mit dem Pfiff wich. Harm powerte oft dermaßen in die Pfeife, das alle 44 Beine auf dem Platz schlagartig wach waren.

Direkt mit und nach Anpfiff war also allen klar, was nun folgt. “Harm” war ein Schiri mit scharfem Auge und mit gutem Gefühl für die Situation. Gab es auch nur den Anschein, einer der Spieler wollte Freistöße schinden oder in anderer Weise unsportlich sein, Harm hat es bemerkt und direkt in “akzentfreiem” Plattdeutsch kommentiert. Und das oft – und dafür haben wir Ihn so sehr gemocht – mit einem Lächeln. Das Lächeln war etwas, was uns als Spieler beeindruckt hat. Er griff gnadenlos durch, ließ nie einen Zweifel aufkommen, wer der Chef im  Rasen-Rechteck ist. Und dann war da das Lächeln.

Wir könnten zahlreiche Anekdoten erzählen, die Ihn einzigartig machten, aber… was soll’s, eine habe ich;). BW Dörpen gegen Neubörger. C-Jugend Spiel mit besonderer Derby-Würze. Es war eisekalt. So kalt, dass nicht mal Behannes Jornzen (Name leicht verändert) sich traute zu grätschen. Nach 10 Minuten im vollem Spielbetrieb ein Pfiff. Harm trillerte mal wieder in die Pfeife, dass die Pfeife trillerte. “Ik muss nu erst nen wormen Tee häbben. Sonst mach ich nich weiter. Dann könnt ihr dat allännich moken hier.” Alle schauten sich fragend an. 10 Sekunden später, noch immer kein auflösendes Lachen oder ähnliches. Er meint das ernst. Ich fror fast fest, so kalt war es, aber wer mich kennt weiß, das mir das auch während des Spiels hätte passieren können. Rund 5 Minuten später gab es den erlösenden Tee für Harm. “Nu geit dat wieter hier”, beendete Harm die Pause mit einem Lächeln.

Das was wir auch durch solche Aktionen lernten war Respekt. Respekt gegenüber dem Schiri, Respekt gegenüber Regeln, Respekt gegenüber dem Gegner. Auch wenn es uns als pickeligen Pubertätsopfern nicht bewusst war, wir lernten etwas für’s Leben. Danke Harm, dass Du unseren Fußball bereichert hast, dass Du jedes Wochenende für uns da warst! 

Die 11 Thekenfreunde möchten unser Beileid aussprechen. Wir werden “Harm” sehr vermissen!

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