Ja, ist denn heut schon Weihnachten?

Wer erinnert sich nicht. Unser guter, von Fifafilz freier Kaiser, die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, der Franz, der Libero vor dem Sepp, der Teamchef – als es den Begriff noch nicht gab – der beste Talkgast bei zwei Stühle eine Meinung, der Beckenbauer. Der Mann, der mit diesem unachtsam beim  privaten Geschenke auspacken im Hinterzimmer dahergesprochenen Satz Millionen verdiente, liefert uns heute das neueste Thema des Kreisklassenfußballs. Die Weihnachtsfeier.

Die Weihnachtsfeier -eigentlich ein friedliches und besinnliches Fest unter Mannschaftskollegen- ist eher der Prüfstein für eine erfolgreiche Saison. In keinem anderen Zeitraum liegen die Nerven der Akteure so blank. Sei es, weil Mann mal wieder kein tolles, den sehnsüchtig herbeigesehnten Sommerurlaub mit seinen Freunden garantierendes Geschenk findet; sei es, weil er statt gemütlich auf dem Weihnachtsmarkt an der Glühweinbude stehend und sich dabei die Erinnerung an den letzten Knatsch mit dem Chef herbei amnesierend, mit der Ehefrau diverse Geschäfte auf der Suche nach dem angesagtesten Smarttoy zum Lockangebotspreis abklappern darf; sei es, weil Kreisklassenklaus statt einer heißen, leidenschaftlichen Liebesnacht mit seiner Gattin wieder Socken geschenkt bekommt. Meist mit der Begründung, dass die 3 Paar Glücksfußkleider einfach schon zu löchrig sind und sie beim Waschen immer Angst hat wegen Völkermord am indigenen Stamm der Fußbazillen vom Uno-Gerichtshof in Den Haag angeklagt zu werden. Oder sei es, weil er sich mal wieder nicht entscheiden kann, ob er seine seit sieben Sonnenumwanderungszyklen im Raum stehende Drohung nach Papua-Neuguinea auszuwandern, endlich wahr macht oder doch noch wegen Rückenbeschwerden das Ausreiseland ändert.

In diesen ganzen Stress platzt dann auch noch die verdammte Weihnachtsfeier. Meistens beginnt der erste Streit schon bei der Terminfindung. Also ab Mitte November kann ich nicht. Da muss ich an jedem Wochende arbeiten, meine Frau hat schon einen Skiurlaub gebucht, die Firmenfeier liegt da schon, meine Nachbarschaft macht da auch irgendwie was, der Hund der Freundin meiner Schwester davon die Nachbarin, davon der Schwager, davon der Müllmann muss ein neues Flohhalsband haben. Man merkt, das Verhandeln beim Gebrauchtwagenkauf ist ein Klacks gegen die Terminfindung einer Weihnachtsfeier. Ist aber diese Hürde ohne Mannschaftsauflösung erst einmal geschafft, kommt schon die nächste große Klippe.

Wo soll die Feier stattfinden? Vereinsheim? Meist schon traditionell durch die letzten Überreste der Meistermannschaften 1954-1962 ausgebucht. Das ist Tradition, das war schon immer so.

Vereinskneipe? HAHA! Guter Witz. Die Wirte haben meist schon seit Juli sämtliche Wochenenden für die Monate November und Dezember an die örtlichen Kanichenzuchtvereine, Feministengruppen oder aufstrebende Jungparteien wie die JMUFGASKWUBSEFWF (Junge Männer und Frauen gegen Atomstrom, Klimawandel und BSE, für Weltfrieden) vergeben. Oder doch lieber bei einem zu Hause? Geht nur, wenn man einen gut verdienenden, am Ortsrand wohnenden Junggesellen in der Mannschaft hat. Ganz hell im Kopf darf der aber auch nicht sein. Schließlich darf er nach der Feier das Haus mindestens einmal grundsanieren, um dann nach 5 Jahren in irgendenwelchen finsteren Ecken noch leere Klopferflaschen, leicht lebendige Haufen von Erbrochenem oder ehemalige Ehrenkapitäne zu finden. Ist auch dies Problem ohne Vereinsneugründung gelöst, kann das wichtigste Hindernis in Angriff genommen werden: Die Getränkefrage. In keinem anderen Moment kann man die Verwandlung von Erwachsenen in Kleinkinder schneller erleben. Wie die Kinder nach dem St. Martinssingen damit angeben, wieviel Süßes sie “ersungen” haben und gedenken zu verspeisen, so schreien die Fußballer nach Alkoholika.

“Ich brauch alleine mindestens 1,5 Flaschen Berenzen”, verkündet der Hobbytrinker.

“Dann brauch ich 2 Flaschen Cognac! Aber nicht den billigen, davon krieg ich Kopfschmerzen!”

“Und mindestens ein 50 Liter Faß. Besser zwei, dann kommen auch mehr zum Aufräumen!”

“Und Kurzen brauchen wir auch! Aber nicht den Roten! Was hartes!”

“Habt ihr auch an Eiswürfel gedacht! In meinen Whisky-Cola gehört Eis!”

Diese verschiedensten Getränkewünsche mit dem verbliebenden Budget der Mannschaftskasse und dem minimalen 10 Euro Zusatzbeitrag zu vereinen, stellt eine Herausforderung dar, gegen die die 12 Heldentaten des Herkules wie das Aussprickeln der ersten selbstgemachten Weihnachtskarte im Kindergarten aussehen. Hat man dies dann auch endlich geschafft, kann die Feier starten. Denn bei der Wahl des Essens ist meist sehr schnell Einigung erzielt. Hier heißt das Motto: “Hauptsache Fleisch!”

Ist die Weihnachtsfeier dann angelaufen, kommt es zwangsläufig zum Eklat. Denn wie Friedensverhandlungen zwischen Nord-und Südkorea kein gutes Ende nehmen, wird sich auf der Weihnachtsfeier gestritten. Dem einen ist die Musik zu laut, dem anderen zu leise, dem einen sind die Getränke zu kalt, dem anderen zu warm, dem einen fehlt Helene Fischer, der anderen nicht, der eine bringt seine Freundin mit und zieht  damit den ewigen Zorn seiner Mannschaftskameraden auf sich, dem einen ist das Fleisch zu trocken, dem anderen zu roh, dem einen ist der Mannschaftsopa zu betrunken, dem anderen zu nüchtern…..

Am nächsten Tag wird meist folgendes passieren. Man wacht mit einem mulmigen Gefühl der Fremdheit auf, da man die einem entgegenstarrende Decke nicht erkennt. Man hofft, dass man nicht blau genug war, um in der Dorfdisko des Nachbarortes noch den Hektarball zu besuchen. Und wenn, dass man noch so viel Verstand hatte mit der besten Partie des Abends und nicht mit einem sibirischen Mastkalb aus der Tundra von Omsk nach Hause gegangen zu sein.

Wenn man dann das nächste die Augen öffnet, beschleicht einen die große Erkenntis: Die einem entgegenspringende fremde Decke ist gar keine Decke. Sondern die mit Urin und Erbrochenem besudelte Fließendlandschaft des heimischen Badezimmers.

In diesem Sinne….. Allen Kreisklassenmannschaften eine gelungene Weihnachtsfeier.

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