Kreisklasse – nicht schön, aber selten! Eine Fromage an die Fans

Wer kennt das nicht? Da schleppt man Woche für Woche seinen Kadaver auf den Trainingsplatz um zu zeigen was man am Ball alles nicht kann, jedoch seinen Mitspielern zu zeigen, dass Sie einem im Konsum von Gerstensaft nicht annähernd mithalten können, nur um dann am Wochenende zu sehen, dass auch der Gegner nicht vom Fußballgott geküsst wurde.

Spieltag. Mindestens 15 Fans sind vor Ort, um sich das Spiel der eigenen Mannschaft gegen Hintertupfingen zu begucken. Das Spiel lässt sich in einem Wort beschreiben: Grausam! Sieht aus, als würde RTL  irgendwelche Z-Promis zur Dschungelprüfung antreten lassen. Und dennoch gibt es aufmunternde Worte der Fans, wie z.B.: „ Man wat spielst du ne Scheiße.“ oder „ Gegen den Ball schuppen habt ihr im Training auch noch nicht geübt, oder?“ Trotz jeder unterirdischen Leistung der Heimelf – oder gerade deswegen- stehen die treuen Fans dennoch jedes Spiel am Rand, trinken ein schon fast heißes Blondes und unterhalten sich über was heißes Blondes. Am liebsten sind Doppelspieltage, da kann man sich schon am Freitag den Kopf für Sonntag vortrinken und diesen dann auch vor Ort direkt wieder kontern. Also was macht die Kreisklasse so attraktiv? Es liegt wohl kaum am hochklassigen Fußball, den findet man auf einem ehrlichen, unbezahlten Kreisklassenplatz nicht. Dafür muss man sich schon umdrehen und das Spiel der ersten Herrenmannschaft verfolgen. Liegt es an den geringen bis nicht vorhandenen Eintrittspreisen?  Das ist vermutlich ein Grund, denn bei den erwähnten ersten Herren kann man sich ein stattliches Makita-Bohrmaschinen-Set für die Eintrittspreise leisten. Der Hauptgrund für die Beliebtheit ist großartig und doch so einfach: man identifiziert sich mit den Jungs auf dem Feld, da sie genau das verkörpern, was man früher auf dem Platz selbst angestellt hat. Mittelmäßige Kicker mit eingelaufenen Trikots, technisch nur an der Theke hoch versiert und immer für einen guten Spruch zu haben. Erst kürzlich beschwerte sich die 1. Herren, warum so wenig Fans zu den Spielen kommen. Eines vorweg: Es sind erstmal keine Fans, sondern Zuschauer. Worauf soll man sich bei dem Spiel denn freuen? Auf hochklassigen Fußball? Den kann ich mir auch in der Bundesliga angucken! Auf fremde, auswärtige Leute in meinem Team? Was interessieren mich andere Fußballer, die sich mit meinem Verein nicht identifizieren? Auch dann schaue ich wieder Bundesliga! Ein ungeschriebenes Gesetz lautet: Herrenmannschaften unterstützen sich untereinander, ob auf dem Spielfeld oder daneben. In 2 von 3 Fällen klappt das auch bei unserem Verein sehr gut. Das ist der springende Punkt: Mehr Jungs aus den eigenen Reihen = mehr Fans = mehr Unterstützung. So sollte bei jedem Verein nicht die Spielklasse, sondern die Mannschaft im Vordergrund stehen! Das Stichwort lautet Heimatverbunden. So steht der Fan nicht nur für seinen Heimatverein ein, Nein, er unterstützt auch die Jungs aus dem Dorf! Sprich, er kennt jeden Spieler auf dem Feld und auch jeden Zuschauer am Rand, mit dem er jede Woche auf Neues, interessante, aber auch sinnlose Gespräche führt. Und genau das ist der Grund warum die Kreisklasse so attraktiv ist.

Deshalb gehört auch IHR mit zu den Helden der Kreisklasse! Nicht nur wir halten wöchentlich unsere  Knochen hin, auch IHR seid jede Woche wieder mit dabei und honoriert ehrliche Spiele mit Applaus und aufmunternden Worten. Danke dafür und hoffentlich bleibt IHR uns auch weiterhin erhalten!

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Was wäre die Kreisklasse ohne Typen?

Man steht auf dem Fußballfeld in irgendeinem Ort des Emslandes von der Größe eines mittelschweren Darminfekts. Es regnet, der Kopf ist meist bleischwer wie der zur Fußballweltmeisterschaft 1962 von der Heimmannschaft angeschafte Spielball. Die eigene Mannschaft liegt mal wieder unglücklich knapp hinten. 7:2. Die Einheimischen Fans machen es sich auf der Wellblechtribüne mit Bratwurst und Gerstensaft gemütlich. Der eigene Trainer verzweifelt an seinem Spielermaterial und schiebt die gesamte Schuld der Niederlage entweder dem Schiri, dem Platz oder dem ferngebliebenen Starspieler “SchießtbudenUdo” zu. Man selber steht auf dem Feld und fragt sich immer wieder: “Warum steh ich hier und nicht irgendwo anders?” Ganz egal ob die Tribüne, das eigene Bett oder der 86te Geburtstag der Großtante der Exfreundin. Es kann nur besser als hier in …… sein.

Was treibt also jedes Wochenende viele Spieler zwischen 20 und 40 auf die Plätze der niederen Kreisklasse?

Die Aussicht auf einen fairen sportlichen Wettkampf? Wohl eher nicht.

Es sind vielmehr die Typen, denen man auf und neben dem Platz begegnet.

Die Schiedsrichter, die entweder maßlos unter- oder überfordert sind. Teilweise vom zu leitenden Spiel, teilweise vom vor 15 JAhren angeschafften Shiridress.

Die Gegenspieler, die sich teilweise für Kreisklassenmaradonnas halten, weil sie ehedem in der D-Jugend einen fehlerfreien Übersteiger im dritten Versuch gegen das Kind mit Gehfehler hingekriegt haben. Von Gegenspielern, die mehr nach inneren Desinfektionsgetränken als eine Brennerei riechen. Aber dennoch ein Spiel ganz routiniert abwickeln. Von Gegenspielern, die während des Spiels versuchen einen in Gespräche über Gott, die Welt und alles andere zu verwickeln. Nur um dann im entscheidenden Moment einen Sprint anzusetzen und ein Tor zu erzielen.

Die Mitspieler, die entweder vom Ehrgeiz gepackt nochmal im Herbst ihrer Karriere alles geben, um als Aufsteiger in die Alte Herren zu wechseln. Die Mitspieler, die noch in der Kabine einen dummen Spruch nach dem anderen ablassen und einen zum Lachen bringen. Die jungen Mitspieler, die sich zu höherem berufen fühlen, aber erst einmal an die Herrengangart herangeführt werden müssen. Häufig mit schmerzhaftem Ausgang. Und die ganzen anderen mehr oder weniger positiv verrückten oder normalen, die den Fußballplatz bereichern.

Über die Trainer müssen wir  gar kein Wort verlieren. Wer sich freiwillig eine Gruppe Fußballer jedes Wochenende antut, der Verdient mindestens das Bundesverdienstkreuz.

Wie dieser kleine Artikel zeigt, ist Kreisklasse nicht immer schön – aber ehrlich! Und darauf kommt es an.

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