Der SV-70: Der blau-weiße Dienstwagen

Der VW Multivan wird 70. Das Fahrzeug, besser bekannt unter der Bezeichnung „Bulli“ steht wie kein anderes für Freiheit, Individualität, Coolness, Grenzenlosigkeit, aber auch Hippietum, Peace, Festivals und viel Spaß. Nun, auch bei Blau-Weiß war der VW Bulli Programm. Es gab eine Reihe von Fahrzeugen, die jahrelang seit den Achzigern bei Heini Gerdes in der Scheune standen und vom Verein genutzt wurden. Keines der Autos hatte wirklich etwas mit Freiheit oder Coolness zu tun. Karges Design, weiß lackiert und ohne jeden Komfort warteten die Bullis auf ihren nächsten Einsatz. Es waren Ackergäule, die verdammt nochmal ihre Pflicht erfüllen mussten – die Kicker von Blau-Weiß zum nächsten Auswärtsspiel kutschieren.

Und doch tanzte einer der blau-weißen Bullis aus der Reihe: Der SV 70 (Kennzeichen: EL-SV-70). Ich bin sicher, dass jeder Dörper Kicker zwischen 1980 und 2000 sich an den SV 70 erinnern kann. Der VW Bus der Baureihe T3 war das Urgestein des blau-weißen Fuhrparks und verdient es, besonders geehrt zu werden.

Ich selber hatte meine ersten Auswärtsfahrten mit dem SV 70 in der E-Jugend. Mit Kult hatte das damals rein gar nichts zu tun: Brettharte Sitzbänke in hornhaut-umbra, ein Lenkrad so groß wie ein Mühlenstein (und genauso schwer zu bewegen), ein Schaltknüppel so lang wie ein Straßenbesen und eine Musikanlage in Mono, die ihren Namen eigentlich nicht verdient hatte. Er war nicht cool, er war funktional. Schokolade, Kaugummi oder Überreste des Milchshakes nach dem Kurzstopp bei McDonalds konnten dem SV nichts anhaben. Bei den Bezügen aus imitiertem Lederimitat hatten Flecken keine Chancen.

Kurzum: Das Ding war so uncool wie der kleine Dicke mit Brille, der im zu engen Trikot jeden Samstag auf der Ersatzbank saß. Eigentlich wollten alle beim Trainer mitfahren. Der fuhr damals einen feuerroten Audi 80 mit Mörder-Boxen in Form eines 3DF-Mauersteins auf der Hutablage und einem Sound, der dem Rock-Himmel sehr nahe kam. Wir hörten Bruce Springsteen und waren die größten – wenn wir einen der 4 Sitzplätze ergatterten. Wenn nicht, mussten wir im SV 70 Platz nehmen und damit schon vor dem Spiel die erste Niederlage einstecken.

Der SV 70 begleitete mich bis zur Herrenmannschaft. Bis dahin sorgte er immer wieder für Aufsehen. Nicht selten ist er irgendwo auf dem Hümmling zwischen Werpeloh und Lorup liegen geblieben. Unerreicht die Aussage von Gebrauchtwagenspezialist Heinrich A., nachdem unser D-Jugendbetreuer sonntags morgens an der Tanke einen Kupplungsschaden diagnostizierte:“ Der braucht keine Kupplung – einfach die Gänge reindrücken, das kann der ab!“. Genau so sind wir dann bis nach Surwold und zurück gefahren.  Ich bezweifle, dass  die Kupplung je repariert wurde.

Meine letzte Erinnerung an den SV 70 habe ich aus der Zeit der 1. Herren. Es war Anfang der Neunziger. Die Mannschaftsfahrt der 1. Herren führte nach Holland, genauer gesagt in einen Center Park in der Nähe von Amsterdam. Ich war zu der Zeit A-Jugendspieler, der ein paar Mal aushelfen und in den Herrenbereich hineinschnuppern durfte. Das reichte, um eingeladen zu werden. Während der Mannschaftsfahrt gab es einen Ausflug in die Innenstadt von Amsterdam. Als wir zurück zum Parkplatz kamen, war der SV 70 nicht mehr weiß. In orangefarbener Schrift prangte das Wort HOLLAND auf beiden Seiten des Autos. Die Graffiti-Schrift ließ sich ohne professionelle Hilfe nicht beseitigen.

Zu gerne würde ich wissen, was aus dem SV 70 geworden ist. Vielleicht ist er immer noch im Einsatz und führt heute nepalesische Sherpas zum Basiscamp, um neureiche westliche Yuppies zum Mount Everest zu begleiten. Oder er hat mittlerweile Zebrastreifen und kutschiert Safari-Urlauber durch das Okavango Delta. Vielleicht ist der SV 70 aber immer noch im sportlichen Einsatz und fährt wie vor 30 Jahren 12-jährige Rotzlöffel zum Auswärtsspiel und nimmt geduldig Sand, Dreck und Milchshake-Flecken hin.

Wie auch immer – wenn wir über Legenden von Blau-Weiß Dörpen reden, darf der SV meiner Meinung nach nicht fehlen!

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Nachtrag zu “Dörpens beste Ballermänner”

Vor einigen Tagen hat uns ein Kommentar von “Lütken O.” erreicht, der uns Jungspunden auch einmal die Ballermänner aus der weiteren Vergangenheit beschreibt:
“1. H. Kuper
Gerd Rubenbauer würde ihn einen “Wuseler” nennen. Unermüdlich, unnachahmlich, unbequem zu spielen. Der Strafraum war sein Zuhause und er hat in jeden Spiel jeden einzelnen Quadratmeter davon umgepflügt. Ein Typ wie Omas Wandschrank, der keinen Zweikampf gescheut hat und immer da war, wo es es weh tat – meistens tat es dann den anderen weh. Tore hat er wie am Fließband geschossen, mal in Gerd-Müller-Manier halb im Liegen, mal mit einem Kopfball von der 16er Linie, der die Wucht von George Foremans rechter Geraden hatte.

2. J. Seitz
Einer der ersten Legionäre bei Blau-Weiß, der Anfang der 90er zur Mannschaft stieß. Ein baumlanger Stürmer, der stark an Peter Crouch erinnert und auf den ersten Blick als Center im Basketball besser aufgehoben scheint. Nicht schnell, nicht laufstark, aber unorthodox erfolgreich. Ein echter Gentleman, auf und neben dem Platz. Ein Instinktfußballer, der oftmals die entscheidenden Buden gemacht hat.

3. J. Mester
Haben wir bei Nummer 2 eher an einen Basketballer gedacht, denken wir bei J. Mester eher an einen kenianischen Marathonläufer oder einen Balletttänzer. Er brachte zu seiner aktiven Zeit sicherlich keine 60 kg auf die Waage, war dafür aber pfeilschnell und unglaublich stark im Abschluss. Aus der Tiefe des Raums musste nur ein Pass nach vorne kommen, den Rest erledigte J. Auch modisch unterschied er sich stark von Mitspielern und Gegnern, hatte er doch den 80er Trend der blondierten Nackenmatte nie wirklich aufgegeben.

Es gibt sicher noch viele weitere Stürmer-Asse von Blau-Weiß, aber diese drei sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Abschließend noch eine kleine Anmerkung: Das Zitat “Lang auf Jürgen” gab es tatsächlich, bezog sich seiner Zeit aber nicht auf Jotti, sondern auf Jürgen Liesen. Der war ein paar Jahre vorher aktiv und sein Vater (zeitgleich Trainer) hat mit diesem Satz die Spielweise von Jürgen treffend zusammengefasst.”

Vielen Dank für diesen Kommentar, wir nehmen gerne weitere Spieler oder andere Anekdoten von früher auf :)

Eure 11thekenfreunde

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Dörpen im Trend der Zeit – es geht hoch hinaus

Der Jubel war riesig nachdem der SV Meppen nach Jahren der Abstinenz endlich wieder in den Profi-Fußball aufgestiegen ist. Durch den Aufstieg wird im Verein nun vieles umstrukturiert und mit Ronald Maul konnte ein ehemaliger Nationalspieler als Geschäftsführer dazu gewonnen werden.

Dieses nimmt sich derzeit auch unser S.V. Blau-Weiß Dörpen als Vorbild und konnte gleich zwei Hochkaräter verpflichten. Zum einen wäre da der Aufstiegsheld der Oberliga-Mannschaft und ehemaliger Kapitän des SV Meppen. Für Furore sorgte dieser nachdem er in 3 Jahren als Trainer bei Sparta Werlte dezente Akzente in der Kreisliga setzte. So wurde in Jahr 1 unter ihm ein guter 12 Platz erreicht, der im nächsten Jahr durch Platz 7 nochmals getoppt wurde, ehe mit Platz 10 in der letzten Saison der gesicherte Mittelfeldplatz gehalten werden konnte. Na wenn das mal kein Bewerbungsschreiben ist! Nun kehrt also ein hohes Maß an Professionalität in Dörpen ein und dem Teammanager ist ein absoluter Glücksgriff auf dem Weg in die höheren Liga gelungen.

Apropos Teammanager: Auch da hat Blau-Weiß einen dicken Fisch an Land gezogen. Seit dieser Saison leitet er die Geschicke im und rund um den Verein. Spielerverträge ausarbeiten, neue Spieler verpflichten und sich um fehlendes Trainingsmaterial zu kümmern – das sind nur einige seiner Aufgaben in der neu-geschaffenen Position. Durch seine vielen Kontakte in die regionale Fußballszene und seine Mitgliedschaft im Förderverein ist diese Position wie für ihn geschaffen. Und fähige Leute braucht der Verein immer! So haben gute Teammanager in Lingen und Holthausen/Biene es bis in die Oberliga geschafft, letzterer hat sogar an der Tür zur Regionalliga gekratzt. Ähnlich erging es auch dem SV Haseldünne, der einen Durchmarsch in höhere Ligen anpeilte. Dies wird bestimmt auch in Dörpen möglich sein, wenn man sich voll reinhängt.

Deshalb begrüßen die 11Thekenfreunde das neue Gespann recht herzlich beim RB Dörpen… ähm nein BW Dörpen. Auf gutes Gelingen!

P.S. Aus sicheren Kreisen haben wir in Erfahrung bringen können, dass die Verpflichtung eines Pressesprechers unmittelbar bevorsteht. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch dieser Posten auf dem Weg in den Profi-Fußball besetzt wird.

Wir bleiben dran…

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