Blau-Weiß im Niemann’s Land

Im Kreisligafußball sind sie keine Seltenheit: Die Fußball-Dynastien! Familien, deren Söhne und Cousins die meisten Stammplätze einer Mannschaft sichern. So sprach man zum Beispiel noch vor meiner aktiven Zeit in Wippingen von der legendären Rosen-Elf, in der die Rosen-Brüder fast die komplette Startelf ausgemacht haben. In Neubörger musste man nur die Namen Kossen und Langen auf den Spielbogen schreiben und die halbe Aufstellung war fertig. Das gleiche galt in Heede für die Namen Mauer und Andrees.

Und in Dörpen? Da muss schon länger suchen. Klar, es gab schon Familienkicker, zum Beispiel die Wiebezieks, Dickebohms oder die Bojers. Zu meiner aktiven Zeit in den 90ern sticht aber eine Familie besonders hervor: Die Niemanns oder besser gesagt: „Thies Franz siene“. Barnie, TC und Snalle prägten den Dörper Fußball wie keine zweite Brüderbande.

Bernd ist der älteste und so etwas wie der Ehrenspielführer von Blau-Weiß. Hätte es damals noch keine Abschiedsspiele für legendäre Spieler gegeben, man hätte sie für Barnie erfunden. Es war so etwas wie der letzte echte Libero, der hinten immer tief stehend die Abwehr organisierte, oftmals sehr lautstark. Das hatte er von seinem Vater geerbt, der abseits des Platzes auf den Rängen mit lauten Kommentaren auf sich aufmerksam machte. Bernd war nicht der schnellste, überzeugte aber durch unglaubliches Stellungsspiel und einem rechten Hammer, der den gegnerischen Torwart erzittern ließ. Zum Glück für ihn traute sich Barnie jedoch selten über die Mittellinie. Neben dem Platz war Barnie ganz Gentleman und viel selten in der dritten Halbzeit auf. Er war der Käpt’n und damit ein Vorbild und eine Respektperson für alle. Ich kann nur schätzen, aber Barnie gehört sicher zu den Blau-Weiß-Spielern mit den meisten Einsätzen überhaupt. Selbst ein paar böse Verletzungen haben ihn nicht davon abgehalten, auch im hohen Fußballeralter jenseits der 30 Sonntag für Sonntag die Stiefel zu schnüren.

Der zweite Kicker aus dem Hause Niemann ist Hannes. Er ist sicherlich der Talentierteste der drei Brüder, aber das war ihm immer schon egal. Sein Motto „lääch-lääch“ sagt alles über ihn aus. Äußerlich ließ er es immer ruhig angehen, aber auf dem Platz konnte er auch anders. Sein Revier war die rechte Außenbahn und die hat er jedes Wochenende 90 Minuten lang beackert. Feine Technik und eine Bierruhe machten ihn zu einer sicheren Anspielstation und sein Spielverständnis blitzte immer wieder auf, wenn er den tödlichen Pass auf die Stürmer in die Spitze spielte. Hannes konnte auch eine richtige Zecke auf dem Platz sein und wurde deshalb häufig mit Sonderaufgaben betreut. Das hieß dann: Gegnerischen Spielmacher ausschalten. Da waren Hannes alle Mittel recht. Im US-amerikanischen Basketball nennt man sowas Trash-Talk, im Emsland wohl eher pägeln oder piesacken. Das konnte er und nicht selten ging sein Gegenspieler völlig entnervt frühzeitig vom Platz. Insgesamt hat Hannes sein Talent meiner Meinung nach nicht voll ausgenutzt. Ich bin sicher, mit etwas mehr Fleiß und Training hätte er höher spielen können. Aber das wollte er gar nicht. Er hatte Spaß am Spiel, aber noch mehr Spaß nach dem Spiel. Er ist stark am Glas und hat den jungen Spielern in der 1. Herren oftmals gezeigt, wo das gefährliche Ende von der Theke ist. Auch ich musste da so meine Erfahrungen machen und bin auch schon mal unter die Räder gekommen.

Der jüngste im Bunde ist Helmut, auch Snalle genannt. Snalle hatte schon früh andere Prioritäten gesetzt und Fußball stand nicht an seiner ersten Stelle. Daher pendelte er oft zwischen 1. und 2. Herren. Als Linksfuß habe ich manchmal mit ihm auf einer Seite gespielt. Helmut war ein Spaßvogel, der immer einen Spruch auf den Lippen hatte. Auf sein Äußeres hat er stets viel Wert gelegt, so dass er vor allem beim weiblichen Publikum gut ankam. Auf dem Platz war er flexibel einsetzbar, meistens in der Abwehr oder im Mittelfeld. Feine Technik und ein gutes Kopfballspiel prägten seinen Spielstil. Aber im Vergleich zu seinen Brüdern war Helmut eher der Unauffällige der drei.

Das ein oder andere Spiel habe ich mit allen dreien gemeinsam spielen dürfen. Hängen geblieben ist aber vor allem die Lockerheit und der Humor der Brüder. Die Niemänner waren echte Kreisligakicker, die Spaß am Spiel hatten, aber die 90 Minuten insgesamt nicht allzu ernst genommen haben. Es gab andere, vielfach wichtigere Dinge in ihrem Leben. Daher denke ich bei den Brüdern mehr an Begegnungen abseits des Platzes als auf dem Platz. Würde mich freuen, die Drei mal wieder gemeinsam zu treffen. Vielleicht klappt es ja Kirmes!

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