Der Blau-Weiße Center Court!

Schon während meines Studiums staunten die Kommilitonen aus dem Ruhrgebiet nicht schlecht, wenn ich davon erzählte, dass mein Heimatverein über mindestens 5 Rasenplätze verfügt, darunter ein Doppelplatz mit Flutlicht. Den meisten Kickern aus dem Pott schossen dann die Tränen in die Augen, denn neben ein bisschen Neid musste jeder an die vielen Schürfwunden denken, die der lokale Ascheplatz ihnen zugefügt hatte.

Für einen Emsländer waren Rasenplätze natürlich das Normalste der Welt – und doch gab es in Dörpen eine Besonderheit: der Hauptplatz! Im Tennis würde man es Center Court nennen und die Begrifflichkeit passt meiner Meinung nach ganz gut. Ein Rasen wie ein Teppich, der in Dörpen allerdings auf mindestens 2 m aufgefüllten Mutterboden gebettet wurde und damit den Schwarzerdeböden der ukrainischen Südküste sehr nahe kamen. Leider fällt im Emsland deutlich mehr Regen als am Schwarzen Meer, so dass der schwere Boden meistens sehr nass und tief war.

Auf dem heiligen Rasen durften in der Regel aber ohnehin nur die Kicker der 1. Herren antreten. In meiner Jugend habe ich daher auf dem Center Court mehr rot-weißes Flatterband als Fußbälle gesehen. Ich selber durfte dennoch bereits zu A-Jugendzeiten hier und da auf dem Hauptplatz spielen und es war immer etwas Besonderes.

Auch rundherum wurde alles dafür getan, das Aushängeschild des Dörper Sportparks aufzuwerten. Nach dem Umbau der Tribüne folgte irgendwann Ende der 80er Jahre eine nagelneue Tartanbahn. Zu dieser Zeit verfügte die Leichtathletikabteilung der Blau-Weißen unter dem Vereinsnamen LG Emstal über sehr erfolgreiche Sportler und Sportlerinnen. Die Bahn wurde sehr häufig genutzt, auch für  überregionale Wettkämpfe. Da waren Kreisliga-Fußballer natürlich ein Störfaktor. Es dauerte nicht lange, bis der damalige Leichtathletik-Papst Hermann Albers die Tartanbahn heilig gesprochen hatte. Im Grunde hieß das, dass ein einfaches Betreten der Bahn unter Beobachtung der Leichtathletiktrainer sogleich mit einer Bewährungsstrafe geahndet wurde. Stollenschuhe mit Rasenresten führten demnach natürlich direkt zum Vereinsausschluss.

In der logischen Konsequenz wurden dann die neu angeschafften Trainerbänke für die Fußballer auch nicht auf das rote Oval gestellt, sondern direkt an den Spielfeldrand – also direkt zwischen Außenlinie und Laufbahn. Das ging auch tatsächlich recht lange gut, aber irgendwann kam es dann doch, wie es kommen musste. Bei einem Spiel der Dörper A-Jugend gegen Blau-Weiß Papenburg wurde ein hoher Ball auf den Flügel gespielt. Ein Spieler der Dörper sprintet neben seinem Gegenspieler dem hohen Ball hinterher und erkennt zu spät, dass die Trainerbank – immerhin keine 10 cm von der Seitenlinie entfernt -  den Weg versperrt. Im Vollsprint rammt der junge Flügelspieler den rechten Alu-Rahmen und bleibt danach für einige Minuten bewusstlos liegen. Warum weiß ich das so genau? Nun, ich selber war der blinde Fußballer, der die Augen nur auf den Ball gerichtet hatte und der Trainerbank daher keine große Schuld geben kann.

Als ich wieder aufwachte, sah ich in die Augen unseres damaligen Betreuers Heiner F., der die Situation mit einem typischen „Oh, Düwel“ kommentierte und kurze Zeit später seinen Opel Kadett Kombi zum Rettungswagen umfunktionierte und natürlich gekonnt auf der Tartanbahn parkte. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass keine Vertreter der Leichtathleten vor Ort waren. Die Situation wäre sicher eskaliert.

Zum Glück trug ich keine schwierigen Verletzungen davon. Mein Gesicht, Schulter und Arm waren ordentlich geprellt und bunt gefärbt, aber es hätte schlimmer kommen können. Beim nächsten Besuch des Center Courts standen die Trainerbänke übrigens nicht mehr an der Seitenlinie, sondern akkurat in die Außenbande integriert, natürlich hinter der Tartanbahn.

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