Dörper Bollwerke – Verteidiger der besonderen Art!

Zum letztjährigen Schützenfest haben wir die Dörper Ballermänner gewürdigt. Dieses Jahr heißt es: „Antreten zur Verteidigung!“. Die Abwehrrecken sind dran. Als Redaktionshistoriker möchte ich natürlich ein wenig zurückblicken und gehe zurück bis in die späten 80er. Es war die Zeit der klassischen Liberos. Klaus Augenthaler war eine Gallionsfigur der deutschen Abwehr und füllte die Rolle des Fünfers über Jahre mit Bravour aus. Ausgestattet mit viel Ruhe, Übersicht und einer Schusstechnik, die präzise Pässe über den ganzen Platz erlaubten.

Genauso sah es jahrelang auch bei den Blau-Weißen aus. Mambo war unsere Nummer 5 in den späten 80ern. Eine Kombination, die schon lange vor Lou Bega im Emsland Ruhm und Anerkennung erlangte. „Ein Typ wie ein Baum“ würde ihm nicht gerecht werden. Mambos Statur war für jedes Trikot ein echter Stresstest. Eine Kante mit häufig grimmiger Mimik und Nackenmatte – in der Wrestlingszene wäre Mambo sicher nicht aufgefallen. Aber das ist auch alles, was Mambo mit Wrestlern gemein hat. Mambo hatte eine Schussgewalt, die man im Emsland danach nur noch bei Helmut Schulte aus Dersum oder Martin van der Pütten bewundern konnte. Verließ der Ball seinen Fuß, war Alarm beim Gegner angesagt. Angefangen hat Mambo daher folgerichtig als Stürmer, erst später zog es ihn in die letzte Reihe. Dort war er als Bälleverteiler und die ordnende Kraft gefragt, weniger als Dauerläufer. Seinen äußerst reduzierten Laufradius machte er durch perfektes Stellungsspiel jedoch locker wett.

Die Nachfolge von Mambo trat wenig später Barnie Niemann an. Wir hatten Barnie schon an anderer Stelle bei den 11 Thekenfreunden gewürdigt, aber in der Reihe herausragender Dörper Verteidiger darf er nicht fehlen. Sein Format und die Spielweise ähnelten die von Mambo sehr. Auch Barnie hat sich mehr aufs Bälle verteilen als auf das Hinterherrennen des Balles konzentriert. Noch seltener als Mambo überquerte er die Mittelinie, aber hinten ließ er kaum mal etwas anbrennen und leitete die Dörper Angriffe aus dem eigenen 16er gekonnt ein.

 

Als die Liberos laufen lernten
Mitte der Neunziger wurde der Fußball moderner und die Spielweise der Liberos änderte sich. Nun waren Spielertypen gefragt, die die letzte Reihe gerne mal verließen und das Spiel nach vorne aktiver steuerten. Diese Fußballer hatten ein deutlich höheres Laufpensum und zeichneten sich sogar durch Torgefahr aus. Zwei dieser Liberos will ich heute hervorheben. Einer ist Uwe Wolters (der ältere). Nicht zu verwechseln mit dem jüngeren blonden Uwe Wolters, der erst in den 2000ern zur 1. Herren stieß. Uwe hatte im Grunde schon alle Positionen durch und wurde von jedem Trainer anders eingesetzt. Ich persönlich habe ihn am liebsten ganz hinten gesehen. Uwe war technisch versiert, verfügte über gutes taktisches Verständnis, Torgefahr und Schnelligkeit. Vielmehr war er aber Antreiber. Ein Typ wie Stefan Effenberg. Wenn es nicht lief im Spiel, brüllte er zunächst die eigenen Kollegen zusammen, schnappte sich dann den Ball und startete ein Solo durch die gegnerischen Reihen. Wenn es sein musste, gab es auch mal ein heftiges Foul an der Mittellinie – nur um zu zeigen, wer Chef auf dem Platz war. Er war der Chef, keine Frage. Er verkörperte einen Leadertypen, der später vielen jungen Spielern als Vorbild galt, unter anderem Matthias Sammer.

Etwas weniger verhaltensauffällig, dafür aber noch spielstärker war Bogdan Tudose. Eine Statur wie ein C-Jugendspieler, aber eine Eleganz und Ballbeherrschung wie Zinedine Zidane. Bodgan hat als letzter Mann die gegnerischen Stürmer mit schnellen Körpertäuschungen nur allzu oft ins Leere laufen lassen. Er war spielerisch in Dörpen sicher ein bis zwei Klassen zu tief unterwegs, aber es machte ihm Spaß. Er war im Grunde auch überall auf dem Platz zu finden. Nur Spieler wie Norbert Haschi Haskamp oder Frank „Murphy“ Wacker hatten nach 90 Minuten mehr Kilometer auf dem Tacho.

Die „Eisenfüße“
Wenn wir Abwehr-Bollwerken sprechen, dürfen wir natürlich die klassischen Manndecker nicht vergessen. Auch hier sieht man in den 90ern und 2000ern einen Wandel der Spielertypen. Als ich zur 1. Herren gestoßen bin, regierten die wirklich harten Typen die Innenverteidigung: Klaus „Zeilo“ Bernzen oder Bernd „Bebo“ Bohse. Beide waren sicherlich nichts für Fußballästheten, aber sie waren immer zur Stelle, wenn es darum ging, das eigene Tor mit aller Macht zu verteidigen. Zeilo war mit einer Pferdelunge ausgestattet und hat den Begriff Manndeckung immer sehr wörtlich genommen. Seine Gegenspieler hat er bis weit in die eigene Hälfte verfolgt und sie vielfach auch zermürbt. Das als Folge seiner Spielinterpretation auch immer wieder gelbe Karten im Spiel waren, soll nicht unerwähnt bleiben. Bernd Bohse bleibt mir bis heute in Erinnerung. Es war bei einem Hallenturnier, bei dem er den Ball vom eigenen Tor aus so stramm auf die erhöht liegende Tribüne schoss, dass man von Glück reden muss, dass weder Mensch noch Material zu Schaden kamen. Sein damaliger Kommentar: „Hinten kein Klein-Klein, sondern schneller klären!“ Nun gut, die Halle als Spielfeld war für ihn einfach zu begrenzt. Draußen aber war er als Innenverteidiger weitaus besser aufgehoben. Eiserner Wille, extremer Kampfgeist und kein Zweikampf, der vorzeitig aufgegeben wurde. Bebo hat seine gelben Karten aber häufiger als Folge von Meckerei als durch unfaire Foulspiele erhalten. Man kann ihn vielleicht ganz treffend mit Uli Borowka vergleichen.

Die nächste Generation war dann schon etwas athletischer unterwegs. Es war das Dörper Duo Hermann Wiebeziek und Frank „Murphy“ Wacker. Hermann war ein Innenverteidiger, wie er im Buche steht: der Per Mertesacker aus dem Emsland: Baumlang, eisenhart, aber immer sehr freundlich und sympathisch. Eine Frohnatur, auf dem Platz und auch in der dritten Halbzeit. Man mochte Hermann einfach, zumindest wenn man nicht gegen ihn spielen musste. Er grätschte alles ab und weg, was in den 16er eindringen wollte und war daher ein Garant für die 0, die hinten stehen sollte. Für den Spielaufbau war Hermann weniger geeignet. Legendär das Zitat des damaligen Trainers Herbert J., der nach einer knappen Niederlage wutentbrannt in die Kabine trat und brüllte: „Wie oft habe ich gesagt: Spielt Hermann hinten nicht an! Der kann solche Bälle doch nicht verarbeiten!“. Zuvor landete ein etwas knapper Rückpass bei Hermann. Der gegnerische Stürmer hielt Pressing in der Situation für eine gute Idee und den Rest kann sich jeder denken. Hermann selber war keineswegs sauer oder beleidigt. Er lachte und stand beim nächsten Spiel natürlich wieder seinen Mann. Ein toller Typ.

Neben ihm glänzte Murphy Wacker. Denkt man an Murphy, fallen einem 2 Eigenschaften ein: Rennen bis zum Umfallen und Kopfbälle in einer Höhe, die ich selber nicht mal mit Trittleiter erreicht hätte. Murphy war ein solider Arbeiter, der seinen Job hinten fair und unspektakulär ausübte. Er war aber der erste Innenverteidiger meiner Zeit, der vorne Akzente setzte. Bei jeder Ecke schlich sich Murphy in den gegnerischen 16er und konnte das ein oder andere Tor erzielen. Seine Kopfballstärke war wirklich enorm.

 

Die spielstarken Verteidiger

Zu guter letzt folgt noch ein Verteidiger-Duo, dass in Sachen Spielstärke und Technik seines Gleichen suchte, zumindest in der damaligen Emslandliga. Jan Spiller und Marian Grade. Jan kam aus Papenburg zu uns, war gelernter Mittelfeldspieler und konnte wirklich mit dem Ball umgehen. Aufgrund seiner Bodybuilder-Statur -  seine Oberschenkel hätten Roberto Carlos vor Neid erblassen lassen –  hat Walter Rusche ihn in die Innenverteidigung gesteckt und dort spielte er großartig auf. Er war ein Schalk, ein Witzbold, der seine Gegner auch mal mit Tunnelattacken provozierte. Diese aufreizende Spielart fanden seine Trainer nicht immer spaßig, aber Jan war das egal. Er war Spaßfußballer und harter Arbeiter zugleich. Neben ihm stand mit Marian ein sehr junger Spieler, der aus der eigenen Dörper Jugend kam und in Sachen Eleganz gut und gerne mit Kalle Förster verglichen werden kann. Marian war schnell und zweikampfstark, aber im Vergleich zu allen genannten Verteidigern sicher der introvertierteste, ruhigste und unauffälligste Spieler. Im Duo mit Jan waren die Rollen daher klar verteilt und die beiden ergänzten sich optimal.

Man kann die Reihe der Abwehr noch um viele weitere Spieler weiterführen, doch an dieser Stelle endet meine persönliche Hitliste der harten Knochen aus Dörpen. Mit allen außer Mambo habe ich zusammen gespielt und das war immer ein großes Vergnügen. Falls eurer Meinung nach wichtige Dörper Verteidigerpersönlichkeiten fehlen, teilt es uns mit. Unten ist genug Platz für Kommentare. Euch allen ein schönes Schützenfest

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