Blau-Weiße Trainerlegenden, Teil II: Jannes Panjer

Kürzlich haben wir unsere Serie über Trainer bei Blau-Weiß  begonnen. Schon dort wurde ein Jugendtrainer genannt, der damals sehr erfolgreich war: Jannes Panjer. Es war zu Zeiten der D- und C-Jugend in den späten 80er Jahren. Alle 2 Jahre, immer dann, wenn wir mit dem älteren Jahrgang spielten, war Jannes unser Trainer.

Sein Auftreten damals wie heute ist meistens leise, ruhig und besonnen. In seinem kleinen grünen Opel kam er zum Training gefahren, hat fürchterlich alte und schäbige Bälle aus seinem Kofferraum geholt und uns dann ganz viel über Fußball beigebracht. Beherrschten bis dahin noch Trainingsinhalte wie „Passen und stoppen“ oder „vom 16er aufs Tor“ den Trainingsalltag, wurde unter Jannes schon sehr professionell trainiert. Der Ball war immer dabei, aber es wurde viel gezielter trainiert. Geradeaus schießen konnten in dem Alter schon alle, aber beim Kopfball oder einer gezielten Grätsche kamen die meisten von uns an ihre Grenzen. Jannes hat uns das alles beigebracht. Aber noch viel mehr: Wir bekamen taktische Einweisungen und haben Spielzüge und Standardsituationen trainiert. Tatsächlich ist mir das damals gar nicht aufgefallen, es hat einfach nur Spaß gemacht. Die Effekte dieser Trainings waren aber offensichtlich. Wir sind zwei Mal in 2 Jahren aufgestiegen und haben unsere Gegner teilweise in Grund und Boden gespielt.

Als klassischer Linksfuß habe ich gelernt, meine Position richtig auszufüllen, nach hinten zu arbeiten und vorne die Stürmer zu bedienen. Jannes hat wirklich eine bärenstarke Mannschaft geformt. Um nur ein paar Spieler zu nennen: Vorne im Sturm knipste Hans Kuper praktisch nach Belieben. Er konnte seine körperlichen Vorteile gut ausspielen und hatte damals wie auch später im Herrenbereich einen enormen Torriecher. Links neben ihm lief Markus Triphaus alles in Grund und Boden. Sein dynamischer Antritt landete entweder als Abschluss direkt im Tor oder als Pass bei Hans, der dann vollendete. Hinter Markus spielte Michael Wiemker, ein kleiner schmächtiger Filigrantechniker mit einem sehr feinen linken Fuß. Michael wurde dank seiner Dribbelkünste von Jannes immer Garrincha genannt. Erst später habe ich gelesen, dass Garrincha dank eines X- und O-Beins die Gegner schwindelig gespielt hat. Diese anatomische Besonderheit hat Michael allerdings nicht erkennen lassen.

Rechts spielte vorne der pfeilschnelle Jürgen Liesen, der im Mittelfeld vom zweikampfstarken Andi Thieke unterstützt wurde.

Im Tor stand meistens Frank Otten, ein baumlanger Hüne, der praktisch alles aus dem Winkel fischen konnte. Dank einer enormen Schusskraft wurde er aber auch gerne auf dem Feld eingesetzt und Klaus Wilholt ging dann in den Kasten. Man sieht, die Rotation war schon Ende der 80er Jahre gängige Praxis.

In der Defensive verzweifelten die Gegner oft an den eisenharten Defensivkräften wie Thomas Potts, Marc Dickebohm oder Jürgen Wilholt. Alles andere als Bolzer und Treter, sondern technisch gut ausgestattet und mit einer Bierruhe am Ball.

Ich denke, genau das war das Geheimnis: Ruhe! Jannes war der unaufgeregteste Trainer, den ich je kennen gelernt habe. Ein kurzes „Kom op, Jongens!“ reichte und alle standen mucksmäuschenstill da und lauschten dem Fußballlehrer aus Holland. Standen damals doch wie heute eher Trainer der Brüllfraktion an der Außenlinie, die keinen Schuss unkommentiert lassen konnten. Meistens kam bei denen aber nur ein „Lauf, lauf, lauf“ oder „ran ran ran!“ Noch schlimmer schon damals ein Trend in Papenburg, wo vermehrt Mütter den Spielfeldrand mit Tupperboxen und Zitronentee belagerten und regelrecht panisch reagierten, wenn der Sprößling mal mit der Nase im Gras lag. All das gab es bei Jannes nicht. Kurze, präzise Ansagen, auch in der Kabine. Ihm war immer nur eins wichtig: Spielen. Wir sollten Fußball spielen, so wie wir es im Training gelernt hatten. Es hat funktioniert.

Er selber hat es sich im Training meistens auch nicht nehmen lassen, mitzukicken. Man kann Jannes mit Fug und Recht einen fülligen Mann nennen, aber auf dem Platz vernatzte er uns nach Strich und Faden: kurze Körpertäuschungen, Fuß auf dem Ball und die gefürchteten „No-look“-Pässe in die Tiefe haben uns immer wieder staunen lassen.

Ja, wir haben Jannes alle gemocht und sogar verehrt. Er ist einfach ein feiner Mensch, der ein Gespür dafür hatte, wie man mit uns Jungs umgehen musste. Solche Trainer braucht ein Verein: Nicht nur für eine gute Nachwuchsausbildung, sondern vielmehr für Werte im Fußball wie Teamgeist und Zusammenhalt. „Al het Beste en dank je wel, Jannes!”

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