Am Ende ist es Kreisligafußball – und das ist auch gut so!

 

Nun geht er also doch los, der befürchtete Ausverkauf der abgemeldeten 1. Mannschaft. Die meisten Spieler haben doch sehr schnell einen neuen Verein gefunden. Wer soll es Ihnen übel nehmen? Wir nicht! Jeder muss für sich entscheiden, was ihn im Fußball antreibt. Und wenn ein Spieler mit Mitte 20 die Ambition hat, so hoch wie möglich zu spielen, ist das nicht verwerflich. Auch wenn einem als Fan die heimattreuen Hector-Jonas-Typen natürlich lieber sind.

Der Abgang der Spieler zeigt deutlich die Realität, in der der Verein nun angekommen ist. Viele Fans wollen immer noch nicht begreifen, was da eigentlich passiert ist und wie es dazu kommen konnte. Was sind die Hintergründe? Man kann nur mutmaßen. Vor allem bei mir ist es aus der Entfernung nicht möglich, genau zu analysieren. Ich will es auch nicht tun, aber ich will Thesen aufstellen und versuchen, zu erklären, was im Konstrukt eines ambitionierten Vereins die Motivationen und Antriebe sind – und welche es nicht sind. Ganz klar sei betont: Diese Thesen sehe ich als mögliche Hintergründe. Ob diese auch in Dörpen zur Auflösung geführt haben, weiß ich nicht und darüber soll auch nicht spekuliert werden.

Meistens kommt anfangs ein Einfluss von außen. Die sogenannten Freunde und Gönner, die alles für den Verein tun wollen und zumindest finanziell auch können. Wenn diese Gönner richtig gut betucht sind, nennt man sie auch gerne Mäzene. Diese Mäzene merken, dass sie Macht ausüben können und mit der ein oder anderen Finanzspritze einen Verein maßgeblich auf einen neuen Kurs bringen können.

These 1: Mäzene sind im Kreis- und Bezirksligafußball zu oft kurzfristige Erscheinungen mit wenig Nachhaltigkeit.

Sind wir doch mal ehrlich: Ich kenne sehr wenig Beispiele, wie ein sogenannter Mäzen oder Gönner einen Verein richtig nach oben gebracht hat. Richtig oben, das heißt heute sicher Liga 3. Darunter ist es fast egal, denn es zahlt sich nicht aus – weder finanziell noch emotional. Schaut euch nur den Zuschauerschnitt in der Landesliga an. Da ist nicht viel mehr los auf den Rängen als beim hiesigen Samtgemeinde-Derby. Ganz zu schweigen von Auswärtsspielen. Damals in den 90ern war der VFL Herzlake dank des Möbel-Moguls Klose mal ganz knapp davor, den Profifußball zu erreichen. Aber als IKEA salonfähig wurde und in Herzlaker Möbelwerk die Kohle knapp wurde, war Schluss und der Verein ist ganz unten wieder angefangen.

Sie schaffen also vielfach eine Blase, diese Mäzene. Entweder das irgendwann ausgehende Geld des Finanziers lässt die Lichter ausgehen oder seine Eitelkeiten. Die Geldgeber sind selten bei allen beliebt und müssen Häme und Neid über sich ergehen lassen. Das frustet auch schon mal und wenn alle rundherum nicht einsehen wollen, dass man als Mäzen nur das Beste will, dann sollen sie doch sehen, wo sie bleiben. Und schwups ist das Kartenhaus zusammen gefallen. Oft geht mit dem Zerwürfnis einher, dass der Mäzen sich durch sein Geld auch ein gewisses Mitspracherecht einkauft bzw. das erwartet. Das ist der Anfang vom Ende. Man ist ja nicht im russischen Gasgeschäft, sondern immer noch im Amateurfußball. Soll man den Mäzen jetzt vollends verfluchen? Auch das wäre falsch. Er investiert meist sein privates Geld, das er mit Verlaub auch für Goldketten und schnelle Autos ausgeben könnte. Er glaubt an eine Idee und hat eine Vision. Er ist in der Regel ein Geschäftsmann, der aber hier ausnahmsweise den Return-on-Invest völlig ignoriert. Er ist emotional motiviert und will wie Uwe Seeler im Volkspark irgendwann auch ein Körperteil in Bronze gegossen haben. Klappt halt eben fast nie. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Fleischmogul Tönnies vom Revierclub S04 hat es vorgemacht, braucht aber auch noch russische Unterstützung. Die Schuld alleine einem Geldgeber zuzuschreiben, wäre letztlich viel zu kurz gesprungen.

 

These 2: Vereinsführungen lassen sich schnell blenden!

Wenn der Mäzen viel Geld mitbringen muss, ist es beim Vorstand ein großes Stück Idealismus. Als Vorstand gibt es immer auf die Fresse – komme was wolle. Man muss den Laden zusammen halten und macht meistens auch alles dafür. Das kostet wahnsinnig viel Zeit und Nerven. Anders als beim Mäzen ist beim Vorstand der Erfolgshunger und die Sehnsucht nach Auswärtsspielen im Kreis Diepholz weniger ausgeprägt. Aber man lässt sich schnell verleiten und verführen. Da kommt einer von außen und sagt dem Kassenführer endlich, wie er die Löcher im Etat für das kommende Jahr stopfen kann. Das kommt an und als Vorstand ist man schnell dabei. Bewahrer und Verfechter des Underdog-Daseins sind in Vorstandsrunden nicht gefragt und so wird meistens kollektiv zugestimmt und leider auch ins Verderben gerannt. Keiner traut sich, die Notbremse zu ziehen, denn man will ja nicht der Buhmann sein. Aber man macht sich abhängig.

These 3: Amateurspielern fehlt das Heimatbewusstein

Am Ende sind es immer die Spieler, die die Blase zum Platzen bringen. Ich will nicht über finanzielle Anreize spekulieren, aber sind wir mal ehrlich: Die Zukunft mit Hängematte im Garten der Finca auf Mallorca wird sicher niemals herausspringen. Soll man daher pokern, seinen Verein, seine Seele und seine Liebe zum Spiel aufgeben. Oder ist es wirklich der Anreiz, die ein oder andere Liga höher zu spielen, auch wenn es immer noch weit weg vom Profifußball ist. Ich will das nicht verstehen.  Aber in höheren Ligen gibt es vielleicht ein bißchen was dazu zu verdienen, was ein Kreisligaverein nicht will und nicht kann. Und dann küsst man eben das Wappen eines Nordhorner Stadtvereins, wenn man dort knipst. Hat man sich ja bei den Profis schon lange abgeschaut. Das ist das Showbusiness, das auch den Amateurfußball erreicht hat.

Und was hat das alles mit Blau-Weiß zu tun?

Vielleicht gar nichts, weil es alles ganz anders war. Mag sein. Nur das Ergebnis ist das gleiche.

Was bleibt also: Es bleibt ein ordentlich ramponierter Gesamtzustand, zu vergleichen mit dem etwas ausgeblichenem Wappen von Blau-Weiß aus den frühen Neunzigern, das bei mir im Kämmerlein der Nachmittagssonne ausgesetzt ist. Nicht mehr so schick und ziemlich verstaubt, aber immer noch blau-weiß. Ich teile den hoffnungsvollen Kommentar meines Kollegen aus der 11Thekenfreunde Redaktion. Jetzt kann es wieder um Fußball gehen, um Kreisligafußball. Anscheinend bleiben doch noch ein paar Dörper Jungs im Verein und spielen ab sofort in der zweiten Herren, dem neuen Aushängeschild der Fußballabteilung. Ein starkes Zeichen, das Mut machen sollte. Ich bin sicher, die Zuschauer werden weiterhin kommen und Dörpen gegen Neubörger schauen. Aus meiner Sicht viel spannender als Dörpen gegen Union Lohne. Viele haben mir in den letzten Jahren gesagt, dass ich unbedingt mal wieder ein Spiel der 1. Herren anschauen sollte. Das wäre um ein Vielfaches schneller und hochklassischer als das, was ich damals in den 90ern auf den Rasen gebracht habe. Glaube ich sofort, aber ist Amateurfußball wirklich das richtige für Feinschmecker und Analysten? Sitzen Leute mit Tablet auf der Tribüne und machen Vergleiche zum Packing? Ich denke, es geht um was ganz anderes: Freut euch auf die Derbies, auf die hitzigen Duelle und Diskussionen am Spielfeldrand. Freut euch darauf, anschließend mit “alle Mann” bei Westhus an der Theke zu sitzen und gemeinsam mit Zuschauern die Spielanalyse zu führen. Und wenn dann der nächste Mäzen um die Ecke kommt und seine Vision erklärt, müssen alle vorsichtig sein. Sonst geht der ganze Film wieder von vorne los.

Am Ende geht es jetzt in Dörpen wieder um klassischen lokalen Amateurfußball. Wenn ihr mich fragt: Was Schöneres gibt es doch nicht: Und jetzt Mund abwischen und ab auf den Platz!

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Ein Gedanke zu „Am Ende ist es Kreisligafußball – und das ist auch gut so!“

  1. Liebe 11-Thekenfreunde, auf der einen Seite sage ich Vielen Dank für Eure Berichte zu und um Blau-Weiß Dörpen. Ich selber bin, wir Ihr sicherlich wist seit über 10-Jahren ehrenamtlich im Verein tätig. Denn von auch aufgestellten Thesen kann ich jeder für sich zustimmen. Welche davon nun wirklich auf Blau-Weiß zutrifft, wage ich auch nicht zu beurteilen. Aber ich bin auch nicht hier um Thesen zu beweisen oder zu widerlegen.
    Auch ich bin ein Freund des Amateurfußballs und sehe der Entwicklung in diesem Bereich mit Sorge entgegen. Aber leider ist die Entwicklung nun einmal so, dass man höherklassigen Fußball heutzutage in den meisten Fällen nicht mit den einigen Jungs aus dem Fußball hinbekommt. Und das liegt nicht einmal daran, dass die nötigen Talente nicht vorhanden wären, nein die gibt es immer noch. Der Mangel liegt heutzutage schon an der Basis im Jugendbereich. Früher hatte fast jeder Verein in der Samtgemeinde ausreichend Jugendmannschaften in allen Altersklassen. Da hießen die Gegner noch -SV Neubörger oder RW Heede. Jetzt spielt die JSG Dörpen-Ahlen/Steinbild-Neuböger gegen die JSG Lathen-Fresenburg-Lathen-Wahn, so dass man schon beim Eintrag auf dem Spielberichtsbogen Platzprobleme bekommt. Irgendwann wird man wahrscheinlich auf Kreisebene nur noch Samtgemeinde-Mannschaften finden.
    Aber nicht nur der Mangel an Spielern ist ein Problem, sondern die ehrenamtliche Denkweise ist bei vielen Vereinsmitgliedern macht mir Sorgen. Es fehlt gerade im Fußballbereich an Trainer und Betreuern. Ich selber bin seit 2007 Trainer bei BW Dörpen. Auch ich habe früher einige Jahre im Herrenbereich Fußball für BW Dörpen gespielt. Von der 1. Kreisklasse bis zur Bezirksliga habe ich Auf- uns Abstiege mit der Mannschaft erlebt. Damals waren es noch Dörpener Spieler die jeden Sonntag auf dem Platz standen und ihr bestes für Blau-Weiß gaben. Aber das waren vielleicht auch einfach gesagt „noch andere Zeiten“.
    Ich weiß, dass viele der 11-Thekenfreunde auch früher oder immer noch aktiv im Verein Fußball gespielt haben. Ich lese eure Berichte auch immer gerne und mit viel Freude. Das Kritik an der richtigen Stelle angebracht auch etwas bewirken kann ist auch gut so. Und jetzt kritisiere ich euch insofern, dass ich mir wünsche das von eurer Seite die Lage bei BW Dörpen nicht nur kritisch beliebäugelt wird, sondern das ihr euch nach Möglichkeit selbst im Verein einbringt um zu Helfen. Oder andere dazu motiviert. Getreu nach dem Motto „Überlege nicht was der Verein für dich tuen kann, sondern was du für deinen Verein tuen kannst“. Und wer jetzt einfach sagt, ich habe leider keine Zeit für so etwas, sollte mal darüber nachdenken, dass sich andere auch Zeit für Eure Kinder nehmen.
    Also ich fordere hiermit alle Vereinsmitglieder auf sich aktiv am Verein zu beteiligen. Es gibt nicht viele Vereine wo man für wenig Beitrag so viele Möglichkeiten geboten bekommt. Kritiker haben wir genug, wir brauchen jetzt Kümmerer.
    Vielleicht schreibt Ihr mal einen Bericht zum Ehrenamt im Verein, um Leute dazu zu motivieren. Denn eines kann ich euch auch sagen, es macht auch viel Spaß jungen Menschen zu helfen und etwas beizubringen. Wenn man eine gute Basis hat, hat man wahrscheinlich auch einen guten Verein.
    Ehrenamt ist aller Ehren wert
    Sportliche und Herzliche Grüße
    Euer Ossi

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